Welt-MS-Tag 2019

Sichtbar werden

28.05.2019   |   17:04 CEST

Die Bezeichnung „Krankheit der tausend Gesichter“ kommt nicht von ungefähr: Eine Multiple Sklerose (MS) kann sich ganz unterschiedlich äußern.1 Vor allem bei Symptomen wie Depressionen, Blasenfunktionsstörungen oder abnehmender Gedächtnisleistung denkt nicht jeder unmittelbar an eine MS-Erkrankung. Schließlich können sie auch ganz andere Ursachen haben. Unsichtbarkeit ist daher gerade für Menschen mit MS ein großes Thema. Der diesjährige Welt-MS-Tag am 30. Mai macht darauf aufmerksam: 2019 steht der internationale Aktionstag unter dem Motto „Sichtbar werden“1 und bietet eine gute Gelegenheit einen genaueren Blick auf ein typisches Symptom der MS zu werfen: Kognitionsstörungen. Diese treten bei der Erkrankung häufig auf und sind zentraler Gegenstand der MS-Forschung.2

Kognitionsstörungen: Ein „verstecktes“ Symptom bei MS

Unser Gehirn arbeitet rund um die Uhr auf Hochtouren – kein Wunder, dass gerade in stressigen Zeiten das eine oder andere vergessen wird oder das Konzentrieren auf eine komplizierte Aufgabe schwerfällt. Was von vielen als Zerstreutheit abgetan wird, kann bei Menschen mit MS ein Symptom ihrer Erkrankung sein: Rund die Hälfte (45–65 %) aller Betroffenen leidet an Beeinträchtigungen von „höheren“ Gehirnfunktionen wie Erinnern, Denken und Planen. Diese kognitiven Störungen können in jeder Phase einer MS-Erkrankung auftreten.2 Sie zählen zu den „unsichtbaren“ Symptomen, da Kognitionsstörungen nicht immer von außen wahrgenommen werden oder im Zusammenhang mit MS stehen müssen. Doch es lohnt sich, ihnen möglichst früh Beachtung zu schenken. Denn Kognitionsstörungen sind kein unabänderliches Schicksal – man kann ihnen aktiv begegnen.3

Was sagt die Forschung?

Die Nervenzellen im Gehirn müssen Befehle mit hoher Geschwindigkeit weiterleiten. Dies schaffen sie vor allem deshalb, weil sie mit einer schützenden Isolierung ummantelt sind: der Myelinschicht. Bei MS wird diese schützende Hülle angegriffen, was das reibungslose Weiterleiten von Informationen beeinträchtigt.2 Welche Auswirkungen dieser Vorgang auf die Gedächtnisleistung haben kann, wird erst seit Kurzem intensiv erforscht. Patienten berichten von ganz unterschiedlichen Symptomen, häufig werden Schwierigkeiten bei der Wortfindung und beim Multitasking genannt. Wissenschaftler und Ärzte arbeiten daran, die Möglichkeiten einer möglichst genauen Diagnosestellung und damit auch ihr Verständnis von Kognitionsstörungen zu verbessern. Das Ziel: kognitive Defizite sollen nicht länger „unsichtbar“ bleiben.4 Um sie effektiv zu behandeln wurde unter anderem bereits eine Trainingsmethode entwickelt, mit deren Hilfe eine Verbesserung der kognitiven Leistung erreicht werden kann.5

Sichtbar werden – aktiver Umgang mit Kognitionsstörungen bei MS

Wie „sichtbar“ Betroffene werden möchten – gerade im Hinblick auf versteckte Symptome wie Kognitionsstörungen – können und sollten sie stets selbst entscheiden. Insbesondere wenn die Gedächtnisleistung betroffen ist, kann die Angst vor Stigmatisierung, etwa am Arbeitsplatz, groß sein. Was sich jedoch immer lohnt: auf sich selbst zu achten und die eigenen Symptome im Blick zu behalten. Nur dann kann rechtzeitig gegengesteuert werden – von behandelnden Ärzten, aber auch von Betroffenen selbst: Sowohl verschiedene medikamentöse Therapien als auch Kognitionstrainings können kognitiven Beeinträchtigungen entgegenwirken.3

Weiterführende Informationen
Infos zum Welt-MS-Tag 2019:
www.amsel.de/multiple-sklerose/ms-themen/welt-ms-tag/welt-ms-tag-2019/sichtbarwerden-am-welt-ms-tag-2019/

Gedächtnistraining: Übungen der DMSG im Netz:
www.dmsg.de/ms-kognition/kognitive_uebungen.html

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Referenzen
1. Sichtbarwerden am Welt MS Tag 2019. AMSEL-Portal. URL: https://www.amsel.de/multiple-sklerose/ms-themen/welt-ms-tag/welt-ms-tag-2019/sichtbarwerden-am-welt-ms-tag-2019/ (letzter Zugriff: 24.04.2019)
2. MS Kognition, Grundlagen. DMSG: URL: https://www.dmsg.de/ms-kognition/kognitive_problem.html (letzter Zugriff: 24.04.2019)
3. Engel C, et al. Der Nervenarzt 2005;76:943–953.
4. Sumowski JF, et al. Neurology 2018;90:278–288.
5. Chiaravalloti ND, et al. Neurology 2013;81:2066–2072.