Rezidiv-Situation – Umgang mit Rückschlägen beim multiplen Myelom

Bei der Behandlung des multiplen Myeloms, einer seltenen Krebserkrankung, konnten in den letzten Jahren viele Fortschritte erzielt werden.1, 2 Doch trotz zahlreicher verfügbarer Therapien erleiden noch immer nahezu alle Betroffenen ein Rezidiv (Rückfall) im Krankheitsverlauf.1 Gerade deshalb sind neue Therapieansätze und Unterstützungsmöglichkeiten wichtig, um die Situation der Betroffenen zu verbessern.

Multiples Myelom – Unkontrollierte Vermehrung der Plasmazellen
Das multiple Myelom ist eine seltene Krebserkrankung der Plasmazellen. Diese gehören zu den B-Lymphozyten und sind damit Teil des körpereigenen Immunsystems.2, 3 Die Aufgabe der gesunden Plasmazellen ist es, im Falle einer Infektion Antikörper zu produzieren, wodurch es zur Abtötung von Krankheitserregern wie z. B. Bakterien und Viren kommt.3 Gebildet werden die Plasmazellen im Knochenmark. Beim multiplen Myelom vermehren sich die Plasmazellen im Knochenmark unkontrolliert und produzieren entweder komplette, jedoch funktionsuntüchtige oder defekte Antikörper.2

Die Symptome sind individuell und meist unspezifisch. So wird die Diagnose häufig erst gestellt, nachdem die Beschwerden bereits über Monate bestehen. Betroffene leiden z. B. an Knochenschmerzen, einer vorzeitigen Erschöpfung (Fatigue) und sind oftmals anfälliger für Infekte. Jedes Jahr treten in Deutschland ca. 3.900 Neuerkrankungsfälle bei Männern auf, während bei rund 3.000 Frauen jährlich ein multiples Myelom diagnostiziert wird.4 Die Blutkrebserkrankung betrifft überwiegend Patienten im höheren Lebensalter: Die meisten Fälle treten bei Männern und Frauen zwischen dem 70. und 79. Lebensjahr auf.2

Rezidiv-Situation – Wenn die Erkrankung zurückkehrt
Studien zufolge konnte die 5-Jahres-Überlebensrate beim multiplen Myelom, die angibt, wie viele Patienten 5 Jahre nach der Diagnose noch leben, von 33 % im Jahr 2000 auf 66 % im Jahr 2014 verdoppelt werden.5 Dazu haben vor allem die Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Therapieansätze beigetragen, unter anderem hochdosierte Chemotherapien mit einer anschließenden Stammzelltransplantation sowie die Einführung zahlreicher neuer Wirkstoffe wie z. B. der immunmodulierenden Substanzen (IMiDs®).

Doch trotz der Fortschritte in der Therapie des multiplen Myeloms treten bei vielen Patienten immer wieder Rezidive auf.1 Ein Rezidiv beschreibt den erneuten Krankheitsnachweis durch z. B. Blutwerte oder funktionsuntüchtige Antikörper, nachdem die Erkrankung zuvor durch wirksame Therapien kontrolliert und zurückgedrängt, also eine Remission erreicht wurde.6 Ist die Krankheit nach einer ersten Therapie wieder aktiv, müssen neue Wirkstoffe bzw. Kombinationen eingesetzt werden. Besonders bei Patienten, die mehrfach rezidiviert sind und nicht mehr auf zuvor eingesetzte Therapien ansprechen, ist die Wirksamkeit vorhandener Therapieoptionen begrenzt. Daher besteht weiterhin ein hoher Bedarf an neuen, innovativen Behandlungsoptionen für Patienten in fortgeschrittenen Krankheitsstadien.1

Neue immunonkologische Therapien verfolgen das Ziel, das Immunsystem des Patienten so zu schärfen, dass es effektiv gegen Tumorzellen vorgehen kann. Die CAR-T-Zelltherapie gehört zu diesen innovativen Therapieansätzen, die sich aktuell in der Forschung befinden. Dabei werden die körpereigenen T-Zellen der Patienten im Labor gentechnisch so verändert, dass sie Tumorzellen erkennen und zerstören können.7 Auch an weiteren neuen Therapieansätzen wird geforscht, ebenso wie an bereits etablierten Therapien, wie z. B. den IMiDs®.8, 9

Umgang mit dem Rezidiv – Unterstützung für Patienten und Angehörige
Einen Rückfall zu erleiden, stellt für viele Myelom-Patienten sowie auch deren Angehörige eine belastende und ungewisse Situation dar. Für die Betroffenen ist es wichtig, sich mit der eigenen Erkrankung und den damit verbundenen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Neben der ärztlichen Beratung können auch Selbsthilfegruppen und Informationsangebote eine wichtige Orientierungshilfe bieten. Auch Celgene, ein Unternehmen von Bristol Myers Squibb, unterstützt Betroffene und deren Angehörige im Umgang mit seltenen Blutkrebserkrankungen: Auf Hämatologie.info finden sich verständlich aufbereitete Hintergrundinformationen zu hämatologischen Krankheitsbildern wie dem multiplen Myelom. Auch praktische Hilfestellungen für den Alltag sowie eine Übersicht mit Kontaktdaten von Patientenorganisationen werden bereitgestellt.

Weiterführende Informationen:
Webseite der Patientenorganisation Myelom-Gruppe Rhein-Main:
http://www.myelom.net/multiples-myelom/unterstuetzung-fuer-patienten-und-angehoerige

Webseite der Krebsorganisation Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe:
https://www.leukaemie-hilfe.de/startseite.html

Informationsportal von Celgene, einem Unternehmen von Bristol Myers Squibb, für Myelom-Patienten und deren Angehörige:
https://www.mm-haematologie.info/

Referenzen
1. Nijhof IS et al., Drugs 2018;78(1):19–37.
2. Onkopedia. Leitlinie Multiples Myelom. Stand: Mai 2018. URL: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/multiples-myelom/@@guideline/html/index.html (letzter Zugriff: 20. Januar 2021).
3. Kompetenznetz Leukämie. Blut und Blutbildung. Stand: März 2015. URL: https://www.kompetenznetz-leukaemie.de/content/patienten/leukaemien/blut_und_blutbildung/ (letzter Zugriff: 20. Januar 2021).
4. Zentrum für Krebsregisterdaten. Multiples Myelom. Stand: Dezember 2019. URL: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Multiples%20Myelom/multiples_myelom_node.html
(letzter Zugriff: 20. Januar 2021).
5. Bergsagel PL. ASCO 2014 Educational Book; abrufbar unter: https://meetinglibrary.asco.org/record/89162/edbook (letzter Zugriff: 20. Januar 2021).
6. Onkopedia. Leitlinie Rezidiv: Prävention und Behandlung. Stand: Oktober 2020. URL: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/rezidiv-praevention-und-behandlung/@@guideline/html/index.html (letzter Zugriff: 20. Januar 2021).
7. Onkopedia. Leitlinie CAR-T Zellen: Management von Nebenwirkungen. Stand: Juni 2020. URL: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/car-t-zellen-management-von-nebenwirkungen/@@guideline/html/index.html (letzter Zugriff: 20. Januar 2021).
8. Cohen AD et al. Clin Cancer Res. 2020;26(7):1541–1554.
9. Abruzzese MP et al. Cell Death Dis. 2019;10(4):324.

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