IMiDs® – eine Substanzklasse für sich

Immunmodulierende Wirkstoffe in der Myelomtherapie

15.09.2019   |   16:10 CEST

In Deutschland sterben jährlich ca. 226.000 Menschen an Krebs.1 Damit ist Krebs hierzulande – nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen – die zweithäufigste Todesursache.1 Besonders einige seltene Krebserkrankungen des Knochenmarks sind schwer zu diagnostizieren und stellen Ärzte vor gewisse Schwierigkeiten. Derartige hämatologische Erkrankungen, sprich bösartige Störungen des blutbildenden Systems, stehen bereits seit Beginn der Unternehmensgeschichte im Forschungsfokus von Celgene. Kontinuierliche Forschung und Entwicklung verbesserten die Therapiemöglichkeiten für solche Erkrankungen seit den 1990er-Jahren enorm.2 So konnte beispielsweise die Überlebenszeit von Menschen mit multiplem Myelom verdoppelt werden.3

Die zweithäufigste Form von Blutkrebs: das multiple Myelom
Mit jährlich etwa 6.500 Neuerkrankungen4 in Deutschland stellt das multiple Myelom in westlichen Industrienationen die zweithäufigste Form von Blutkrebserkrankungen dar.5 Dabei vermehren sich körpereigene, jedoch entartete Plasmazellen unkontrolliert, sammeln sich im Knochenmark an und verdrängen dort gesunde Stammzellen.4 Ihre eigentliche, wichtige Funktion – die Produktion von Antikörpern zur Bekämpfung von Krankheitserregern6 – können diese veränderten Plasmazellen nicht mehr ausführen. So vielfältig wie die Krankheit selbst sind auch die Symptome.4 Sie sind zudem häufig unspezifisch, sodass Beschwerden über mehrere Monate bestehen können bevor die Diagnose gestellt wird.4

Nach einer Diagnosestellung stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Behandlung eines multiplen Myeloms zur Verfügung. Dabei hängt die Wahl der Behandlung stets individuell sowohl vom Stadium der Erkrankung als auch vom Patienten selbst ab, insbesondere seinem Alter und seinem allgemeinen Gesundheitszustand. Für symptomatische Myelompatienten gibt es eine Vielzahl von Optionen:4 Standardmäßig erhalten Patienten eine Induktionstherapie, die aus verschiedenen Kombinationen bestehen kann. Je nach Fitness schließt sich eine Hochdosischemotherapie mit nachfolgender autologer Blutstammzelltransplantation und einer darauffolgenden Erhaltungstherapie an. Kommt eine solche Therapie nicht in Frage, können Patienten in der Ersttherapielinie z. B. mit einem Antikörper, kombiniert mit neuen Substanzen und Kortison, behandelt werden. Auch eine Kombination bestehend aus neuen Substanzen, Chemotherapie und Antikörper inklusive Kortison ist möglich.7 Zu den neuen Substanzen, die bei allen genannten Therapieoptionen zum Einsatz kommen, zählen Proteasominhibitoren und immunmodulierende Wirkstoffe – kurz IMiDs® (immunomodulatory drugs).

Immunmodulierende Substanzen und ihre Wirkweise
Die von Celgene entwickelten IMiDs® umfassen eine Gruppe oraler Medikamente, die zur Behandlung des multiplen Myeloms eingesetzt werden. Ein Vertreter dieser Substanzklasse ist darüber hinaus auch zur Behandlung anderer bösartiger Erkrankungen des blutbildenden Systems – nämlich dem Mantelzelllymphom und einer besonderen Form der Myelodyplastischen Syndrome (MDS) – zugelassen.

Die Wirkweise der IMiDs® basiert auf den vielfältigen Ansätzen der Substanzen, die die Myelom-Erkrankung auf unterschiedliche Weise eindämmen.8 Zum einen hemmen sie – anders als klassische Chemotherapien – gezielt das Tumorwachstum. Zum anderen fördern sie den Zelltod der Krebszellen, indem sie unter anderem die Neubildung von Blutgefäßen zum Tumor und damit dessen Nährstoffversorgung unterbinden. Nicht zuletzt aktivieren sie das Immunsystem der Patienten, sodass die Erkrankung mit körpereigenen Mechanismen bekämpft wird.

Myelomtherapien mit immunmodulierenden Substanzen
Auch wenn die IMiDs® bereits seit der letzten Dekade für die Behandlung des multiplen Myeloms zur Verfügung stehen – es wird weiter geforscht. Kürzlich erhielten zwei IMiD®-basierte Dreifach-Kombinationstherapien die Zulassung der Europäischen Kommission. Damit können Menschen mit multiplem Myelom in Europa in verschiedenen Krankheitsstadien eine Behandlung mit immunmodulierenden Wirkstoffen in Kombination mit weiteren Substanzen (u. a. einem Proteasominhibitor) erhalten. Es wird also stetig weiter daran gearbeitet, das Potenzial immunmodulierender Substanzen auszuschöpfen – und somit Myelompatienten neue Behandlungsoptionen zur Verfügung zu stellen.

Weiterführende Informationen zum Thema:
Celgenes Informationsportal zu hämatologischen Erkrankungen:
www.hämatologie.info

Bundesverband für Myelom-Patienten, Myelom Deutschland e. V.:
www.myelom-deutschland.de

Referenzen
1. Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Krebs. Stand: Januar 2019. URL: www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/gesundheitsgefahren/krebs.html (letzter Zugriff: 13. September 2019).
2. Bergsagel PL. ASCO 2014. URL: https://meetinglibrary.asco.org/record/89162/edbook#fulltext (letzter Zugriff: 13. September 2019).
3. Kumar SK, et al. Leukemia 2014; 28:1122–8.
4. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO). Onkopedia-Leitlinie Multiples Myelom. Stand: Mai 2018. URL: www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/multiples-myelom/@@guideline/html/index.html (letzter Zugriff: 13. September 2019).
5. Deutsche Krebsgesellschaft (DKG). Multiples Myelom, Plasmozytom, Morbus Kahler. Stand: Mai 2019. URL: www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/multiples-myelom-plasmozytom-morbus-kahler/definition-und-haeufigkeit.html (letzter Zugriff: 13. September 2019).
6. Ribatti D. Immunol Lett 2017; 188:64–67.
7. DGHO. Stellungnahme zur Nutzenbewertung des G-BA von Arzneimitteln gemäß § 35a SGB V – Daratumumab (neue Indikationen, Neubewertung nach Überschreiten der Umsatzgrenze).
Veröffentlichung: Januar 2019. URL: www.dgho.de/publikationen/stellungnahmen/fruehe-nutzenbewertung/daratumumab/daratumumab-dgho-dsmm-gmmg-stellungnahme-20190123.pdf (letzter Zugriff 13. September 2019).
8. Quach H, et al. Leukemia 2010; 24:22–32.

 

Foto: © nurse giving medicine to senior woman at hospital (AdobeStock – Urheber: Syda Productions)