Hämatopoese: Blutbildung im Fokus – Ablauf und Funktion

Blut ist lebenswichtig für den Menschen. Es übernimmt wesentliche Aufgaben wie den Transport von Nährstoffen und Sauerstoff, die Regulation der Körpertemperatur und die Wundheilung. All das wird mit einer Vielzahl von Blutzellen bewerkstelligt, die laufend im Knochenmark gebildet werden – ein Prozess, der auch als Hämatopoese bezeichnet wird.

Aufgaben des Blutes
Das Blut ist ein Gemisch aus flüssigem Blutplasma und verschiedenen Blutzellen. Die einzelnen Bestandteile leisten wesentliche Aufgaben im menschlichen Körper:1

  • Transport – Das Blut versorgt die Körperzellen mit Nährstoffen und Sauerstoff. Das dabei entstehende Stoffwechselprodukt (Kohlendioxid) gelangt über das Blut zurück zur Lunge. Auch andere Abfallstoffe werden über das Blut abtransportiert, sie gelangen über das Gefäßsystem in die Nieren oder Leber und werden dort abgebaut und entsorgt.
  • Regulation – Das Blut hält wichtige Funktionen des Körpers im Gleichgewicht. Es hilft zum Beispiel, die Körpertemperatur zu regulieren.
  • Schutz – Fügt sich ein Mensch z. B. eine Schnittverletzung zu, so klumpen bestimmte Bestandteile des Blutes zusammen. Damit sorgen sie dafür, dass die Blutung an der Wunde zum Stillstand kommt. Eine weitere wichtige Schutzfunktion des Blutes ist die Immunabwehr.

Bestandteile des Blutes: Zellen und Plasma
Das Blut besteht zu etwa gleichen Anteilen aus Blutzellen (45 %) und Blutplasma (55 %).2 Das hellgelbe Plasma ist flüssig. Es setzt sich zum Großteil aus Wasser, außerdem aus wasserlöslichen Stoffen wie Eiweißen, Elektrolyten, Vitaminen und Nährstoffen zusammen. Das Plasma sorgt für die Zufuhr von Nährstoffen in die verschiedenen Gewebe und Organe – und umgekehrt für den Abtransport von Abbauprodukten. Der überwiegende Anteil der Blutzellen sind rote Blutkörperchen (43 %), der Anteil von weißen Blutkörperchen und Blutplättchen macht jeweils 1 % aus.

Arten von Blutzellen: ein Überblick
Blutzellen haben unterschiedliche Aufgaben:1

  • Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) versorgen den Körper mit Sauerstoff, indem sie ihn von der Lunge zu den einzelnen Zellen transportieren.
  • Die Aufgabe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) ist die Immunabwehr. Sie kämpfen gegen Krankheitserreger wie Bakterien und Viren.
  • Die sogenannten Blutplättchen (Thrombozyten) verleihen unserem Blut die Fähigkeit zu verkleben (gerinnen), das schützt im Falle einer offenen Wunde vor unkontrolliertem Blutverlust.

Blutstammzellen und Blutbildung
Die Blutbildung (Hämatopoese) ist ein streng hierarchisches System. An der Spitze dieses Systems sitzen sogenannte Blutstammzellen, eine winzig kleine Zellgruppe im Knochenmark. Sie besitzen die einzigartigen Fähigkeiten, sich erstens selbst zu erneuern und zweitens alle Typen von reifen Blutzellen zu bilden.3

Bei der Blutbildung unterscheidet man grundsätzlich zwei sogenannte Entwicklungslinien: die myeloische und die lymphatische Zelllinie:1, 3

  • Die myeloischen Zellen – dazu zählen die roten Blutkörperchen, die Blutplättchen und ein Teil der weißen Blutkörperchen – reifen im Knochenmark aus (Myelopoese).
  • Die vollständige Ausreifung der lymphatischen Zellen – bestimmte weiße Blutkörperchen, die man gesammelt Lymphozyten nennt – erfolgt erst im lymphatischen System (Lymphopoese).
  • Eine Mischung stellen die sogenannten dendritischen Zellen dar. Sie können sich sowohl aus myeloischen als auch lymphatischen Vorläuferzellen entwickeln.

Fehlstart: Wenn die Blutbildung gestört ist
Die Steuerung der Blutbildung ist äußerst komplex. Einfluss auf die Blutbildung haben unter anderem die Zellen des roten Knochenmarks und diverse Botenstoffe. Kommt es zu Störungen bei der Heranreifung – und auch das kann von einer Stammzelle ausgehen –, können Krankheiten wie Myelodysplastische Syndrome (MDS) entstehen.4 Mehr dazu erfahren Sie im zweiten Teil der Themenreihe zur Blutbildung in Kürze hier auf dem Portal.

Weiterführende Informationen:
Hintergrundinformationen zu Blut und Knochenmark auf dem Informationsportal von Celgene:
https://www.mds-haematologie.info/grundwissen/das-blut/
https://www.mds-haematologie.info/grundwissen/das-knochenmark/

Referenzen
1. Kompetenznetz Leukämie. Blut und Blutbildung. Stand: März 2015. URL: https://www.kompetenznetz-leukaemie.de/content/patienten/leukaemien/blut_und_blutbildung/ (letzter Zugriff: 30. März 2020).
2. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Blutbestandteile: Blutzellen und Blutplasma. URL: https://www.blutspenden.de/rund-ums-blut/blutbestandteile-blutzellen-und-plasma/ (letzter Zugriff: 30. März 2020).
3. Kurtin S (Hrsg.). Broschüre der MDS-Foundation „Strategien für Patienten & Angehörige – Leben mit MDS“ 2012. URL: https://www.mds-foundation.org/wp-content/uploads/2014/06/BBOH_Handbook_A4_GRM_06.10.14.pdf (letzter Zugriff: 30. März 2020).
4. Onkopedia. Leitlinie Myelodysplastische Syndrome (MDS). Stand: Februar 2020. URL: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/myelodysplastische-syndrome-mds/@@guideline/html/index.html (letzter Zugriff: 30. März 2020).

Foto: © Small drop of red blood on finger. (AdobeStock – Urheber: Praewpan)