Wellness bei Krebs – was gilt es zu beachten?

06.02.2017   |   11:20 CEST

Ein Gang in die Sauna, ein erholsames Bad oder eine wohltuende Massage – all das trägt zu mehr Wohlbefinden bei, löst Verspannungen sowie Muskelschmerzen und hilft gegen Stress. Das Herz-Kreislauf-System wird durch verschiedene Wellness-Anwendungen trainiert, der Stoffwechsel angeregt.1, 2 Zudem stärken die Anwendungen die Abwehrkräfte. Beim Schmökern in Prospekten mit verschiedenen Wellnessangeboten findet sich jedoch häufig der Hinweis, dass Krebspatienten solche Behandlungen mit Vorsicht genießen sollten. Welche Punkte sind wichtig für Menschen mit bzw. nach einer Krebserkrankung?

Grünes Licht für Wellness & Co. – aber erst nach Rücksprache mit dem Arzt!

Die gute Nachricht: Einen Beleg für einen Zusammenhang von Wellnessanwendungen und Krebserkrankungen gibt es nicht. So wird z. B. durch die erhöhte Stoffwechselaktivität das Wachstum von Krebszellen nicht angeregt.1, 2 Auch die These, dass durch den Druck und das Reiben im Rahmen einer Massage Tumorzellen im Körper verteilt werden, ist nicht zutreffend.2

Je nach Tumorart und Krankheitsstadium sollten Menschen mit einer Krebserkrankung jedoch vor der Entscheidung für eine Wellnessbehandlung mit ihrem Arzt sprechen. Denn: Wärmebehandlungen, langes Baden oder Anwendungen mit ätherischen Ölen sind nicht für jeden Betroffenen und nicht in jeder Phase der Erkrankung bzw. Behandlung passend.

Das richtige Maß: auf stabilen Kreislauf achten

Wärmebehandlungen wie Saunabesuche und warme Bäder regen den Kreislauf an. Daher sind diese Anwendungen erst dann zu empfehlen, wenn der Patient sich wieder von der Therapie erholt hat und der Kreislauf stabil genug ist.2 Betroffene können sich an die Sauna auch langsam wieder „herantasten“ und beispielsweise zunächst nur ein weniger warmes Dampfbad genießen. Ein Saunagang sollte nicht länger als 15 Minuten dauern, anschließend ist eine richtige und gleichmäßige Abkühlung wichtig. Eine Brustoperation ist kein Grund, hierbei Abstriche zu machen: So kann auch der Arm an der betroffenen Körperseite mit einem Wasserguss gekühlt werden.

Auch viele Patienten, bei denen ein Lymphknoten entfernt wurde, berichten darüber, Wellnessanwendungen wie z. B. Saunabäder gut zu vertragen. Die Betroffenen sollten jedoch sorgfältig darauf achten, ob sie ein Lymphödem entwickeln – ein gewisses Risiko diesbezüglich wurde in der wissenschaftlichen Literatur bereits beschrieben.3 Lymphödeme sind Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe aufgrund einer zu starken Produktion der Lymphflüssigkeit. Ist bereits ein Lymphödem aufgetreten, sollten die Betroffenen hohe Temperaturen generell meiden.1 Um kein Risiko einzugehen, tun Betroffene gut daran, vor einer Wärmebehandlung mit ihrem behandelnden Arzt zu sprechen.2

Massagen: Wohltat für Körper und Seele

Massagen helfen nicht nur gegen körperliche Verspannungen, sondern tun gleichsam der Seele gut – auch bei Krebspatienten. So zeigte beispielsweise eine Studie, bei der Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium Rücken- und Nackenmassagen erhielten, deutliche positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden: Die Behandlungen linderten die chronische Erschöpfung, halfen bei Stimmungsschwankungen sowie körperlichen Beschwerden.4 Nur wenige Faktoren schränken die Möglichkeiten für diese wohltuende Seelenauszeit zumindest zeitweise ein: Eine Massage an frischen Operationswunden oder in der Nähe des Bestrahlungsfeldes sollte vermieden werden.2

Auch durch bestimmte Krebstherapien, z. B. Chemotherapien und Bestrahlung, kann die Haut empfindlicher werden und im warmen Wasser umso schneller aufweichen.2 Ob eine Wellnessanwendung mit ätherischen Ölen, Mineralsalzen oder ähnlichen Substanzen anzuraten ist, sollte daher vorab mit dem Arzt besprochen werden.

Abwehrkräfte beachten

Wo sich viele Menschen tummeln und wo es warm ist, fühlen sich oftmals auch Keime besonders wohl. Schwimmbäder und Wellnesseinrichtungen haben hierzulande sehr hohe Hygienestandards, die regelmäßig kontrolliert werden, so dass für gesunde Menschen generell kaum ein Risiko für eine Infektion besteht. Jedoch schwächen manche Krebstherapien die Abwehrkräfte, so dass auch hier gilt: Betroffene sollten zur Sicherheit mit ihrem Arzt besprechen, ob für sie ein Besuch in einer solchen Einrichtung in der aktuellen Gesundheits- und Therapiephase bereits anzuraten ist.

Massagen und Wellnessanwendungen können einen Therapieplan vielfach bereichern – so können die Betroffenen selbst etwas zu ihrem Wohlbefinden beitragen, sich Zeit für sich selbst nehmen und ihrem Geist eine kleine Auszeit gönnen. Wenn die genannten Punkte beachtet werden, steht der Entspannung nichts im Weg.

Quellen:

  1. Medical Tribune. Perspektive Leben 5/2015. Wärmeanwendungen bei Menschen mit Krebs: Massage, Sauna und Bäder – was ist erlaubt?
  2. Sauna und Massage bei Krebs. Wellness und Wärme: Ein Risiko für Krebspatienten? Deutsches Krebsforschungszentrum. Krebsinformationsdienst. Abrufbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/alltag/thermalkuren-massage-sauna.php [letzter Zugriff: 21.12.2016)
  3. Showalter SL, et al. Ann Surg Oncol. 2013 Mar; 20(3): 842–849.
  4. Listing M, et al. Psychooncology 2009;18(12):1290–9.

Bild: Handtuch mit Orchidee und Kerzen (Fotolia – Urheber: racamani)