Tipps für ein gutes Arztgespräch

27.02.2017   |   12:50 CEST

Der Gang zum Arzt kann an hohe Erwartungen geknüpft sein. Um alle Fragen und Anliegen in der meist recht kurz bemessenen Zeit besprechen zu können, ist es wichtig, sich auf das Gespräch vorzubereiten.

Vorbereitung ist das A und O

Für eine genaue Diagnose oder die Bewertung einer aktuellen Therapie muss sich ein Arzt in sehr kurzer Zeit ein möglichst genaues Bild von der Situation des Patienten machen. Ein wichtiger Punkt gleich zu Beginn ist der Grund für den Arztbesuch. Was war der Anlass, einen Termin zu vereinbaren? Betroffene, die aufgrund der aktuellen Beschwerden zum ersten Mal beim Arzt sind, sollten diese möglichst genau beschreiben. Aber auch zur Einschätzung einer bereits laufenden Therapie oder einer durch den Patienten wahrgenommenen Veränderung des Krankheitsverlaufs ist neben der Vorgeschichte eine möglichst genaue Beschreibung der aktuellen Beschwerden wichtig. Dabei können Patienten sich an den sogenannten W-Fragen entlanghangeln:

  • Welche Beschwerden treten auf und wie äußern sich diese?
  • Wo treten sie auf (z. B. Ober-/Unterbauch, links/rechts, bestimmte Gelenke etc.)?
  • Wann treten die Beschwerden auf (z. B. nach dem Essen, nachts, nach Belastung, …)?
  • Sind sie im Lauf der Zeit stärker/intensiver geworden bzw. dauern sie länger an?

Betroffene können sich vor dem Arztbesuch vorbereiten, indem sie sich z. B. vorab Notizen machen und, wenn nötig, vor dem Arzttermin Tagebuch führen, zum Beispiel über Schmerzen oder andere neurologische Beschwerden. Häufig bieten z. B. auch Krankenkassen Vorbereitungsbögen an.

Ein vollständiger Überblick über die aktuelle Behandlung ist für den Arzt ebenfalls relevant. Hierbei gilt: Auch Therapien, die in einem anderen Zusammenhang verordnet wurden, sind für die Einschätzung sehr wichtig. Daher lohnt es sich, folgende Materialien zum Termin mitzubringen:

  • Eine Auflistung aller Präparate, die aktuell eingenommen werden – das sind neben verschreibungs-/apothekenpflichtigen Medikamenten auch frei verkäufliche homöopathische Produkte und Arzneimittel sowie Nahrungsergänzungsmittel
  • Eine Übersicht aller laufenden Behandlungen (z. B. Physiotherapie, Phototherapie, Lymphdrainage etc.)

Eigene Erwartungen einbringen

Neben dieser Standardvorbereitung ist es hilfreich, die persönlichen Erwartungen an das Arztgespräch vorab zu definieren. Diese können, abhängig vom jeweiligen Grund für den Arztbesuch, sehr unterschiedlich sein. Mögliche relevante Fragen sind:

  • Welche Informationen möchte ich von meinem Arzt erhalten?
  • Wie umfassend möchte ich über meinen Gesundheitszustand und meine Aussichten informiert werden?
  • Was muss ich für meinen Alltag mit einer Erkrankung wissen?
  • Wohin kann ich mich wenden, sollte ich weiterführende Unterstützung benötigen?

Dies sind nur wenige Beispiele für viele unterschiedliche Fragestellungen, die für Patienten wichtig sein können. Um während des Gesprächs mit dem Arzt keine Fragen zu vergessen, bietet es sich an, vor dem Termin einige Notizen zu machen. Anregungen finden Betroffene auch im Faltblatt „Teamarbeit“ von Celgene.

Offenheit während des Gesprächs essenziell

Beim Termin selbst kommen die vorab gemachten Notizen zum Einsatz, so dass der Arzt über alle Behandlungen informiert ist und ein genaues Bild vom Patienten und seinen Bedürfnissen bekommt. Manchen Menschen fällt es jedoch schwer über ihre Erkrankung zu sprechen, zum Beispiel, wenn ihnen ihre Symptome unangenehm oder peinlich sind. Doch gerade bei besonders schambehafteten Symptomen wünschen sich Patienten Linderung. Um Hilfe zu bekommen ist es daher wichtig, unangenehme Themen nicht auszuklammern und offen mit dem Arzt zu sprechen – das gilt auch bei Nachfragen. Meist sind Ärzte jedoch verständnisvoll und geübt im Gespräch auch über unangenehme Inhalte – und immer an die ärztliche Schweigepflicht gebunden. Um Hemmungen abzulegen und um keine Punkte zu vergessen helfen daher vorgefertigte Stichpunkte und Fragen, die während des Gesprächs als Gedankenstütze dienen. Gegen Ende des Gesprächs hilft es, nochmals einen Blick auf die mitgebrachten Notizen zu werfen.

Besprochenes schriftlich festhalten

Auch während des Gesprächs mit dem Arzt ist es empfehlenswert, sich Notizen zu machen, um später auf die Informationen zurückgreifen zu können. Ist ein Begriff oder eine Behandlungsmethode unklar, sollte dies angesprochen werden. Oftmals verfügen Ärzte über weiterführende Materialien rund um Erkrankungen und Therapien, die sie Patienten mitgeben können.
Auch Fragen zu möglichen Wechsel- und Nebenwirkungen, der Behandlungsdauer sowie möglichen (Selbstzahler-)Kosten sind vollkommen legitim. Ist dem Patienten unwohl mit einer von dem Arzt vorgeschlagen Behandlungsmöglichkeit, so ist es wichtig, diese Sorgen und Ängste explizit mitzuteilen. Denn eine optimale Behandlungssituation wird nur dann erreicht, wenn Arzt und Patient als Partner eine Therapie beschließen, der beide Seiten zustimmen und die sie gemeinsam umsetzen.

Stark im Team

Doch auch mit einer guten Vorbereitung sind Patienten oftmals nervös vor dem Arzttermin. Daher bietet es sich an, den Termin in Begleitung eines Familienmitglieds oder einer Freundin bzw. eines Freundes wahrzunehmen. Darüber hinaus bieten, je nach Krankheitsbild, manchmal auch Selbsthilfegruppen eine Begleitung an. Neben der emotionalen Unterstützung kann die begleitende Person bei Bedarf im Gespräch mit dem Arzt weitere Informationen beitragen, Fragen stellen und sich ebenfalls Notizen machen. Nach dem Termin kann ein Austausch über die Einschätzung des Gesprächs hilfreich sein.

Weiterführende Informationsangebote nutzen

Nach dem Gespräch ist es sinnvoll, die Notizen des Gesprächs sowie eventuelle Materialien in Ruhe durchzugehen und sich in Ruhe einen Überblick der gesammelten Informationen zu verschaffen. Einigen Patienten hilft es auch, sich umfassend weiter zu informieren und zum Experten für die eigene Krankheit zu werden. Zur Unterstützung stellt Celgene neben Informationen zu verschiedenen Erkrankungen wie Blutkrebs, Tumorerkrankungen und Schuppenflechte auch Material zum Leben mit den unterschiedlichen Krankheitsbildern zur Verfügung. Auch Informationsangebote von Selbsthilfegruppen oder Institutionen, beispielsweise der „Wegweiser“ des Krebsinformationsdienstes, können helfen.

Weiterführende Informationen:

Ratgeber für Patientenrechte des Bundes:
www.bmjv.de

Tipps für informierte Patienten:
www.mds-patienten-ig.org

Informationsmaterial der Krebshilfe:
www.krebshilfe.de

 

Bild: Arzt und Patient (Fotolia – Urheber: Alexander Raths)