Therapietreue – Medikamente richtig einnehmen

21.08.2017   |   08:52 CET

„Ich bin chronisch krank. Natürlich nehme ich meine verordnete Therapie, damit es mir so gut wie möglich geht.“ Was logisch klingt, scheitert in der Praxis häufig an mehreren Faktoren – sei es durch das bloße Vergessen oder Fehler in der Anwendung oder auch aufgrund einer bewussten Entscheidung, die Therapie auszusetzen. Tatsächlich liegt die Therapietreue bei chronisch kranken Patienten hierzulande nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation nur bei circa 50 Prozent.1 Woran liegt das und was können Betroffene tun, um ihre Therapie im Alltag optimal umzusetzen?

Fallstricke erkennen
Eine Therapie einzuhalten, ist manchmal gar nicht so leicht. Die Behandlung, die im Gespräch mit dem Arzt noch gut verständlich und umsetzbar schien, lässt sich zu Hause nicht mehr so leicht durchführen oder es treten zusätzliche Fragen auf. Oft müssen verschiedene Medikamente, z. B. gegen unterschiedliche Erkrankungen, mehrmals täglich und zu unterschiedlichen Zeiten eingenommen werden. Die Behandlung so in den Alltag zu integrieren, dass man sie auch gut einhalten kann, wenn es einmal stressig wird, ist nicht einfach.

Treten Nebenwirkungen auf, kann der Gedanke aufkommen, ab und zu eine Pause von der Behandlung zu machen. Auch wenn sich die Symptome bereits verbessert haben, können Betroffene die Medikamenteneinnahme gegebenenfalls vergessen, da ihnen die eigene Erkrankung nicht mehr so präsent ist.

Strategien für den Erfolg
Patienten ist häufig nicht bewusst, dass eine Behandlung nur dann zum erwarteten Erfolg führen kann, wenn sie genauso durchgeführt wird, wie es mit dem Arzt abgesprochen ist. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist, dass Patienten ihre Therapie und die Schritte, die dafür nötig sind, nachvollziehen können und auch verstehen. Scheuen Sie sich daher nicht, beim Gespräch mit dem Arzt nachzufragen, wenn etwas unklar ist, oder bitten Sie um einen Medikationsplan. Dieser steht Ihnen zu, wenn Sie dauerhaft mindestens drei oder mehr Medikamente einnehmen müssen – Ärzte stellen Ihren Patienten jedoch oftmals auch so einen Medikationsplan aus. Sich im Vorfeld auf das Arztgespräch vorzubereiten kann ebenfalls helfen. Tipps dazu finden Sie hier.

Zusätzlich zum Arztgespräch hilft es vielen Patienten, sich mit ihrer Erkrankung oder Therapie genauer auseinanderzusetzen und so auch selbst zum Experten zu werden. Hierzu steht Betroffenen eine Vielzahl von Informationsmaterialien zur Verfügung.

Ebenso wichtig ist es jedoch, Strategien zu entwerfen, um die Behandlung optimal durchführen zu können. Auf der Website von Celgene steht das Faltblatt Teamarbeit – Wie es mir besser gelingt, die Empfehlungen meines Arztes umzusetzen – zur Verfügung. Dieses hilft Ihnen, sich mögliche Unklarheiten bei der Behandlung deutlich zu machen, und liefert gleichzeitig Tipps für eine erfolgreiche Umsetzung der Therapie. Denn häufig können bereits einfache Maßnahmen hilfreich sein:

  • Die Medikamenteneinnahme an die gewohnten Tätigkeiten im Tagesablauf anpassen
  • An bestimmten Stellen in der Wohnung einen Erinnerungszettel anbringen
  • Sich mithilfe von Signaltönen, z. B. einem Wecker, an die Einnahme erinnern
  • Apps zur Koordination und Erinnerung der Medikamenteneinnahme nutzen

Probieren Sie aus, was für Sie am besten funktioniert!

Referenzen
1.    Sabaté, E. (2003). Adherence to long-term therapies. Evidence for action. World Health Organization. http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/42682/1/9241545992.pdf. Accessed April 12, 2017.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Leitfaden des Universitätsklinikums Heidelberg – Arzneimittel richtig einnehmen

Informationen der Verbraucherzentrale zum Medikationsplan

Bild: Tabletten einnehmen (Fotolia – Urheber: ghazii)