Selbstbewusst auftreten auch mit chronischer Erkrankung

07.08.2017   |   11:48 CET

Schon weitestgehend gesunden Menschen fällt es nicht immer leicht, selbstbewusst aufzutreten, wenn sie sich nicht mit ihrem Körper oder in der jeweiligen Situation wohlfühlen. Kommt noch eine belastende chronische Erkrankung hinzu, die den Alltag einschränkt und mitunter sichtbar ist, fällt es nochmals schwerer, selbstbewusst durchs Leben zu gehen.

Ganz normaler Alltag?
Menschen mit chronischen Erkrankungen stehen in vielen Lebensbereichen vor Schwierigkeiten, die sie bewältigen müssen. Mitmenschen machen einen Bogen um sie oder werfen ihnen abwertende Blicke zu – solche Szenen erleben manche Menschen mit Schuppenflechte fast Tag für Tag. Aufgrund der Angst, die chronische Erkrankung könne ansteckend sein, werden sie teilweise gemieden oder sogar verletzend behandelt.
Auch Betroffene anderer chronischer Erkrankungen werden aufgrund der wahrnehmbaren Symptome ihres Krankheitsbildes stigmatisiert und zum Teil ausgegrenzt. Dies trifft beispielsweise auf Menschen mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) zu, da sie – wenn die Erkrankung nicht zufriedenstellend kontrolliert ist – mehrmals am Tag unter Durchfällen leiden. So müssen sie häufig eine Toilette aufsuchen, wobei dieses Thema in unserer Gesellschaft häufig tabuisiert wird. Hinzu kommt, dass CED meist im vergleichsweise jungen Alter erstmals auftritt, in denen die als peinlich empfundenen körperlichen Symptome und Schmerzen den Umgang während der Arbeit, in der Schule sowie im sozialen Umfeld erschweren. Auch Menschen mit multipler Sklerose, die möglicherweise Schwierigkeiten haben, ihren Urin zu halten, leiden unter dieser Situation.
Allgemein ziehen Menschen mit einer chronischen Erkrankung in der Öffentlichkeit oft Blicke auf sich. So kann es vorkommen, dass die Betroffenen sich gehemmt fühlen und vor Scham im Boden versinken möchten. Dennoch kann der selbstbewusste Umgang mit der eigenen Erkrankung und den Symptomen helfen, Vorurteilen entgegenzuwirken und sich ein Stück weit wohler in der eigenen Haut zu fühlen.

Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein
Für ein gesundes Selbstbewusstsein ist es wichtig, sowohl seine Stärken als auch seine Schwächen zu kennen, ohne sich selbst zu verurteilen. Wie wird man nun aber selbstbewusst? Was sind wichtige Voraussetzungen und durch welches Handeln wird der Prozess „Selbstbewusst werden wollen“ zum Zustand „Selbstbewusst sein“ verändert?
Der allerwichtigste Punkt ist: sich selbst lieben. Das hört sich vielleicht im ersten Moment nicht unbedingt einfach an, kennt man doch die eigenen Schwächen und Fehler nur zu genau. Doch kein Mensch muss perfekt sein. Vielmehr ist es wichtig, auf die eigenen Stärken zu schauen und sich an Lob und Erfolgen zu erfreuen. Dies führt zu mehr Zufriedenheit und Gelassenheit.

Körpersprache: der erste Eindruck zählt
Doch nicht nur innerlich kann man an seinem Selbstbewusstsein arbeiten, mit einem sicheren Auftreten kann dies auch nach außen getragen werden. Hierbei helfen bereits kleine Veränderungen der Körpersprache, die automatisch eine souveränere Ausstrahlung mit sich bringen:

  • Aufrechter Gang mit hervorgehobener Brust und zurückgezogenen Schultern
  • Freundliches Lächeln
  • Augenkontakt
  • Fester Händedruck

Ein gepflegtes äußerliches Erscheinungsbild und ordentliche Kleidung runden den guten Eindruck ab.

Auch körperliche Betätigung ist hilfreich: Sport verbessert nicht nur die Körperhaltung, sondern trägt auch zu mehr Wohlbefinden und einem besseren Selbstwertgefühl bei. Es muss nicht gleich intensives Training sein – die Bewegung sollte vor allem Spaß machen und sich gut in den Alltag integrieren lassen.

Vorurteilen begegnen
Es kann außerdem von Vorteil sein, dem verletzenden, unüberlegten Verhalten des direkten Umfeldes offen zu begegnen. Oftmals hilft es, sich als erstes in sein Gegenüber hineinzuversetzen: Ist der andere womöglich einfach verunsichert und weiß nicht, wie er sich verhalten soll? Ist er vielleicht ängstlich, weil ihm relevante Informationen fehlen? Häufig kennen Menschen, die nicht selbst erkrankt sind und keine Betroffenen in ihrem näheren Umfeld haben, viele Krankheiten und ihre Symptome nicht. Daher kann es hilfreich sein, als Erkrankter selbst das kurze Gespräch über die Erkrankung zu suchen. Menschen mit Schuppenflechte können am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis beispielsweise von sich aus erklären, dass ihre Erkrankung nicht ansteckend ist, sondern durch eine Entzündungsreaktion ausgelöst wird, die sich gegen den eigenen Körper richtet. Das Gespräch auf die eigene Erkrankung zu lenken erfordert zwar Mut, aber durch eine kurze Erklärung gibt man dem Gegenüber die Möglichkeit, Vorurteile abzubauen und mit der Situation offener, weniger ängstlich und verständnisvoller umzugehen.

Austausch mit Gleichgesinnten
Neben dem Austausch im Bekanntenkreis ist es für viele Menschen mit chronischen Erkrankungen hilfreich, mit anderen Betroffenen über die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse zu sprechen und sich verstanden zu fühlen. Hier sind beispielsweise Patientengruppen, die regelmäßige Gruppentreffen anbieten, eine gute Anlaufstelle. Passende Vereinigungen finden Sie hier.
Auch online, in speziellen Diskussionsforen oder auf Social-Media-Plattformen, können sich Menschen mit bestimmten Erkrankungen mit „Leidensgenossen“ austauschen. Gerade auch an schwierigen Tagen kann es helfen, sich zu verdeutlichen: „Ich bin nicht allein!“

Weiterführende Information finden Sie hier:

Bild: Selbstbewusste ältere Dame (Fotolia – Urheber: Jeanette Dietl)