Multiples Myelom: Mit großen Schritten auf der Suche nach neuen Therapien

09.01.2018   |   15:40 CET

Die Erkrankung multiples Myelom betrifft immer mehr Menschen: Bis 2025 erwartet die Weltgesundheitsorganisation einen Anstieg der Diagnosen.1 Doch in der Forschung und Entwicklung von innovativen Methoden zur Behandlung des multiplen Myeloms hat sich in den letzten 20 Jahren einiges getan – heute gibt es eine Vielzahl an klinischen Studien zum multiplen Myelom. Zudem stieg die 5-Jahres-Überlebensrate von Patienten mit multiplem Myelom zwischen 1990 und 2011 um 60 Prozent.2

Dr. Michael Zaiac, Vice President Medical Affairs im Bereich Hämatologie und Onkologie bei Celgene in EMEA, gibt Einblicke in Forschungserfolge und erklärt, warum medizinische Innovationen bei der Suche nach besseren Behandlungsmöglichkeiten so entscheidend sind.

Warum erkranken in Europa immer mehr Menschen am multiplen Myelom?

Dr. Zaiac: Insgesamt werden Menschen heute deutlich älter und das vor allem in der westlichen Welt, wo das multiple Myelom am häufigsten vorkommt. Im Vergleich zu vor 20 Jahren gibt es jedoch auch neue Behandlungsoptionen, die das Leben von Menschen mit multiplem Myelom verlängern und die Lebensqualität erhalten können.3, 4

Wie wirkt sich das multiple Myelom auf die Gesellschaft in Europa aus?

Dr. Zaiac: In Europa werden jährlich fast 39.000 neue Fälle des multiplen Myeloms diagnostiziert.4 Während meist ältere Menschen betroffen sind, können auch Menschen im arbeitsfähigen Alter an multiplem Myelom erkranken.5 Viele der arbeitsfähigen Menschen mit multiplem Myelom kann aufgrund der Krankheit nicht arbeiten, oder fallen wegen Müdigkeit oder Arztbesuchen aus. Zudem sind sie häufig auf Hilfe von Angehörigen oder Freunden angewiesen.

Wie verändern neue Behandlungsoptionen das Leben von Menschen mit multiplem Myelom?

Dr. Zaiac: Aufgrund von innovativen Therapien leben Menschen mit multiplem Myelom heute länger und besser. Das belegen auch die 5-Jahres-Überlebensraten beim multiplen Myelom, die sich zwischen 1996 und 2014 mehr als verdoppelt haben.6 Neben der Effektivität der Behandlung hat sich aber auch der Behandlungskomfort deutlich verbessert. Statt regelmäßig für Infusionen in die Arztpraxis zu müssen gibt es heute alternative Optionen (bestimmte Therapien liegen beispielsweise in Tablettenform vor), die eine vergleichbare Wirksamkeit und Sicherheit bieten. Patienten müssen ihr Leben nicht mehr auf die Erkrankung ausrichten.

Was ist der Grund für den schnellen Fortschritt in der Behandlung des multiplen Myeloms?

Dr. Zaiac: Ohne Zweifel Innovation. Aber trotz der Verbesserungen in den letzten Jahrzehnten haben wir noch einiges vor uns. Beispielsweise liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei Menschen mit Brustkrebs bei 90 Prozent7 verglichen mit 50 Prozent8 bei Menschen mit multiplem Myelom. Noch können wir nicht jedem Patienten eine Heilungschance bieten, daher sind medizinische Forschung und Innovation weiterhin so wichtig.

Welche neuen Behandlungsoptionen werden zurzeit erforscht?

Dr. Zaiac: Mindestens 50 neue Behandlungsoptionen für das multiple Myelom werden zurzeit in klinischen Studien erforscht. Das ist deutlich mehr als noch vor einem Jahrzehnt. Heute wissen wir, dass das Immunsystem eine wichtige Rolle in der Behandlung des multiplen Myeloms spielt: Das Potenzial von immunmodulierenden Therapieansätzen haben wir erkannt und darauf aufgebaut. Forscher versuchen heute, bestimmte Funktionen des Immunsystems mithilfe neuester Immuntherapien zu nutzen, darunter die CAR-T-Zell-Therapie und der Einsatz von bispezifischen Antikörpern. Zudem erlaubt die Kombination von Behandlungsoptionen, verschiedene Krebsprozesse gleichzeitig anzugehen. Auch wird weiter an unterschiedlichen Formen von Stammzelltransplantationen geforscht.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass es eines Tages eine Heilung geben wird?

Dr. Zaiac: Irgendwann wird es eine Heilung geben. Davon bin ich überzeugt. Schon heute zeichnen sich immer längere Remissionen ab, was ein Indiz für den Weg zu einer Heilung ist. Nicht alle Zellen eines multiplen Myeloms sind gleich. Daher bedarf es verschiedener Behandlungskombinationen, um sicherzustellen, dass alle Krebszellen zerstört sind und die Krankheit nicht zurückkommen kann. So können wir einigen Patienten bald eine sogenannte „funktionelle Heilung“ bieten. Den übrigen Patienten ermöglichen neue Behandlungsoptionen ein möglichst langes Leben.

Referenzen

  1. International Agency for Research on Cancer. GLOBOCAN 2012: Estimated cancer incidence, mortality and prevalence worldwide in 2012. Abrufbar unter: http://globocan.iarc.fr/ letzter Zugriff: 23.10.2017
  2. National Cancer Institute, Surveillance Epidemiology and End Results. Abrufbar unter: http://seer.cancer.gov/csr/1975_2012/browse_csr.php?sectionSEL=18&pageSEL=sect_18_table.08.html#table letzter Zugriff: 23.10.2017
  3. Delforge et al., Haematologica 2015. 100:826-833
  4. European Cancer Observatory. EUCAN Factsheet. Multiple myeloma and immunoproliferative diseases. Abrufbar unter: http://eco.iarc.fr/eucan/Cancer.aspx?Cancer=39 letzter Zugriff: 23.10.2017
  5. Sant et al. Lancet Oncol. 2014. 15:931-942.
  6. Bergsagel P. Where We Were, Where We Are, Where We Are Going: Progress in Multiple Myeloma. ASCO 2014 Educational Book.
  7. Cancer stat facts: female breast cancer. National Cancer Institute. 2017. Abrufbar unter: https://seer.cancer.gov/statfacts/html/breast.html letzter Zugriff: 23.10.2017
  8. Cancer stat facts: myeloma. National Cancer Institute. 2017. Abrufbar unter: https://seer.cancer.gov/statfacts/html/mulmy.html letzter Zugriff: 23.10.2017

Foto: Celgene (Urheber: Bodo Mertoglu)