Multiples Myelom

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 3000 Männer und 2700 Frauen neu an einem multiplen Myelom (MM). Es ist damit die dritthäufigste Krebserkrankung des Knochenmarks und für ca. 1% aller Krebserkrankungen in Deutschland verantwortlich. Die Erkrankungshäufigkeit steigt ab einem Alter von 50 Jahren deutlich an, Erkrankungen vor dem 35. Lebensjahr sind selten.

Wie entsteht ein Multiples Myelom?

Beim multiplen Myelom entwickelt sich aus einer entarteten weißen Blutzelle (Plasmazelle) durch Zellteilungen eine große Menge an genetisch identischen, bösartigen Plasmazellen (= Klon). Diese Zellen verteilen sich bei den meisten Patienten auf mehrere (→ „multiple“) Krankheitsherde im Knochenmark (→ „Myelom“). Bei Vorliegen eines einzelnen Krankheitsherdes spricht man von einem Plasmozytom.

Gesunde Plasmazellen sind für die Immunantwort wichtig. Bei Bedarf können diese in kurzer Zeit große Mengen eines Antikörpers (= Immunglobulin) produzieren, der für das Erkennen und Bekämpfen eines körperfremden Stoffes benötigt wird. Die bösartigen Plasmazellen beim multiplen Myelom produzieren jedoch vermehrt funktionsuntüchtige Antikörper oder auch nur Teile von diesen (sogenannte Leichtketten). Diese können dann als sogenanntes (Paraprotein) bzw. M-Gradient in Blutserum und/oder Urin nachgewiesen werden.

Was sind die Symptome eines Multiplen Myeloms?

Symptome treten häufig erst im fortgeschrittenen Stadium auf:

  • Das übermäßige Wachstum der bösartigen Plasmazellen verdrängt die normale Blutbildung und führt dabei zur Zerstörung der Knochenstruktur. Daraus resultieren Knochenschmerzen (meist Rückenschmerzen) und -brüche.
  • Einhergehend kommt es durch eine verminderte Erythrozytenproduktion (rote Blutkörperchen) zur Blutarmut (Anämie). Diese ist häufig durch Müdigkeit und einen Leistungsabfall gekennzeichnet.
  • Die Zerstörung der Knochenstruktur führt zudem zu einer Erhöhung des Kalziumspiegels im Blut (Hyperkalzämie) und daraus folgend kann es zu einer Einschränkung der Nierenfunktion kommen.
  • Die übermäßige Produktion von funktionslosen Antikörpern und deren Bruchstücken kann die Fließeigenschaften des Blutes beeinträchtigen und zu Ablagerungen in Geweben und damit zu Durchblutungs- sowie Funktionsstörungen verschiedener Organe (z. B. Niere) führen.
  • Durch die geschwächte Immunabwehr kommt es zu einer erhöhten Infektanfälligkeit.

Wie wird ein Multiples Myelom diagnostiziert?

Bis vor Kurzem waren das Vorhandensein aller folgenden Kriterien für die Diagnose multiples Myelom ausschlaggebend:

  • ≥ 10% bösartige Plasmazellen im Knochenmark (und/oder Nachweis eines Plasmozytoms) und
  • Nachweis des monoklonalen Immunglobulins und
  • Vorliegen eines sogenannten Endorganschadens; äußert sich durch eine Hyperkalzämie, eingeschränkte Nierenfunktion, Anämie und/oder Knochenläsionen ( = CRAB-Kriterien)

Diese Diagnosekriterien wurden aktuell (Herbst 2014) durch die internationale Arbeitsgruppe Myelom (IMWG) erweitert. Die Diagnose multiples Myelom kann danach bereits gestellt werden, bevor Endorganschäden (CRAB-Kriterien) aufgetreten sind und ist unabhängig von der An- oder Abwesenheit von Symptomen. Nach den überarbeiteten IMWG-Kriterien kann ein multiples Myelom diagnostiziert werden, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • ≥ 10% bösartige Plasmazellen im Knochenmark (und/oder Nachweis eines Plasmozytoms) und
  • CRAB (Hyperkalzämie, eingeschränkte Nierenfunktion, Anämie und/oder Knochenläsionen)

oder einer oder mehrere der folgenden Marker nachweisbar sind:

  • ≥ 60 % bösartige Plasmazellen bei der Knochenmarksuntersuchung
  • Verhältnis der beteiligten, über dem Normbereich liegenden freien Leichtketten zu unbeteiligten, im oder unter dem Normbereich liegenden freien Leichtketten im Serum ≥ 100. Dabei muss der Wert der beteiligten freien Leichtkette mindestens 100 mg/l betragen.
  • > 1 fokale Läsion, d. h. Ansammlung bösartiger Plasmazellen im Knochen oder Knochenmark, die mindestens 5 mm oder größer ist.

Für die Diagnosestellung sind daher Untersuchungen von Blut und/oder Urin (M-Gradient mittels Elektrophorese und Immunfixation mit Nachweis des monoklonalen Immunglobulins) sowie des Knochenmarks (Plasmazellen mittels Knochenmarkpunktion) wichtig. Ergänzt werden sie u. a. durch die Messung des Kreatinin- und Kalziumspiegels im Blut sowie radiologischen Untersuchungen des Skeletts. Auskunft über die Prognose können darüber hinaus Untersuchungen auf verändertes Erbgut in den Myelomzellen geben (zytogenetische Untersuchung und weitere Analysen).

Ist die Diagnose multiples Myelom gestellt, wird eine Einteilung in Stadien vorgenommen. Die Stadieneinteilung gibt Auskunft über die Ausbreitung der Krankheit im Körper und ist die Basis der Therapieentscheidung. Zwei Modelle finden heute in der Praxis Anwendung:

  • Nach Durie und Salmon wird das multiple Myelom in drei Stadien eingeteilt. Berücksichtigt werden Hämoglobinwert (Hb), Serumkalzium, Anzahl der Knochenläsionen sowie Menge an Paraprotein. Zudem ist die Nierenfunktion für die Stadieneinteilung wichtig.
  • Eine neuere Klassifikation stellt das Internationale Staging-System (ISS) dar, bei der nur die Serumkonzentrationen der Bluteiweiße Albumin und ß2-Mikroglobulin zugrunde gelegt werden. Die ISS-Stadien erlauben zudem eine Abschätzung der Prognose.

Wie wird das Multiple Myelom behandelt?

Die Therapie wird individuell festgelegt. Wenn das multiple Myelom zufällig entdeckt wurde und der Patient keine Beschwerden hat, wird eine regelmäßige Kontrolle des Gesundheitszustands im Normalfall als ausreichend erachtet. Grundsätzlich sind supportive ( = unterstützende) Maßnahmen zur Symptomlinderung sowie die regelmäßige Kontrolle von Nierenfunktion, Blutwerten einschließlich des monoklonalen Immunglobulins und radiologische Untersuchungen sehr wichtig.

Zur Behandlung des multiplen Myeloms gibt es neben der autologen (vom Patienten stammend) und allogenen (vom Spender stammend) Stammzelltransplantation und der klassischen Chemotherapie mehrere neuere Substanzen (Angiogenesehemmer, immunmodulierende Substanzen, Proteasominhibitoren), mit denen seit Ende der 1990er Jahre deutliche Fortschritte bei der Therapie erzielt wurden.

Die Krankheitsverläufe beim multiplen Myelom sind von Patient zu Patient unterschiedlich. Daher ist das persönliche Gespräch mit dem behandelnden Facharzt für Hämatologie und Onkologie wichtig, um unter Berücksichtigung des Patienten-individuellen Gesundheitszustandes die optimale Therapie zu finden.

Weblinks & Literatur:

  • Weiterführende Informationen zum multiplen Myelom finden Sie auf unserer Website www.myelom-portal.de.
  • Patienteninformationen über das MM zum Bestellen und Herunterladen erhalten Sie bei service.celgene.de.
  • Multiple Myeloma (MM), herausgegeben von der Leukaemia Research Foundation, London, Großbritannien
  • Plasmozytom / Multiples Myelom, herausgegeben von der Deutschen Krebshilfe e.V., Bonn, in der Reihe der Blauen Ratgeber, hier Blauer Ratgeber Nr. 22
  • Innere Medizin, Gerd Herold und Mitarbeiter, 2014
  • DGHO-Leitlinien, Multiples Myelom, Version September 2013
  • International Myeloma Working Group updated criteria for the diagnosis of multiple myeloma. Lancet Oncol 2014; 15: e538–48. Rajkumar SV et al.