Akute Myeloische Leukämie

Die Akute Myeloische Leukämie (AML) ist ein Blutkrebs (Leukämie), bei der die Entwicklung und Ausreifung von Blutzellen im Knochenmark (gr. myelos = Mark) gestört ist. Blutzellen durchlaufen beim gesunden Menschen viele eng kontrollierte Entwicklungsschritte von der noch undifferenzierten blutbildenden (hämatopoetische) Stammzelle bis hin zu den unterschiedlichen Arten an ausgereiften Blutzellen, die dann volle Funktionsfähigkeit besitzen. Eine AML entsteht aufgrund genetischer Veränderungen in einer dieser Vorläuferzellen. Die Störung in diesem genau gesteuerten Prozess führt dazu, dass die Zellen einer oder mehrerer Zelllinien nicht weiter ausreifen können und damit funktionsuntüchtig werden. Die Zellen können sich aber nach wie vor massiv vermehren. Durch diese ungehemmte Überproduktion funktionsloser, unreifer Zellen (Blasten) wird die normale Blutbildung vermindert, was zu einem Mangel an ausgereiften Blutzellen führen kann. Der Körper verfügt in der Folge über zu wenige gesunde weiße (Leukozyten) und rote (Erythrozyten) Blutzellen sowie über zu wenige Blutplättchen (Thrombozyten). Eine Ausschwemmung der Blasten aus dem Knochenmark, dem Ort der Blutbildung, ins peripher zirkulierende Blut sowie ihre Ansammlung in anderen Organen des Körpers ist ebenfalls möglich. Eine myeloische Leukämie mit mindestens 20 % Blasten im peripheren Blut oder im Knochenmark wird nach der World Health Organisation (WHO)-Klassifikation als AML eingestuft.

Was sind die Ursachen einer AML?

Als Ursachen für die Entwicklung einer AML werden Veränderungen des Erbguts sowie Störungen in der Erbgutregulation von Vorläuferzellen der Blutbildung angesehen. Ein Regulationsmechanismus der für die Erbgutregulation von Blutzellen wichtig ist, ist die sogenannte DNA-Methylierung. Ist die DNA-Methylierung gestört, führt dies dazu, dass bestimmte Bereiche des Erbgutes „stillgelegt“, andere dafür aktiviert und als Vorlage für die Proteinherstellung verwendet werden. Diese Fehlregulationen sind die Ursache dafür, dass Gene ausgeschaltet werden, die in normalen Zellen u. a. vor der Tumorentstehung schützen. Man nimmt auch an, dass eine Inaktivierung bestimmter Gene durch DNA-Methylierung zu einem Wachstumsvorteil von AML-Blasten gegenüber normalen Stammzellen und Vorläuferzellen führt. Verschiedene Faktoren erhöhen das Risiko, an AML zu erkranken. Dazu zählen genetische Veränderungen, Chemikalien, eine frühere chemotherapeutische Behandlung oder therapeutische Strahlenbehandlung. Zudem kann eine AML aus einem myelodysplastischen Syndrom (MDS) oder aus anderen Erkrankungen des Blutes entstehen. Man bezeichnet sie dann als sekundäre AML – also nachträglich aus einer Erkrankung entstehend. Die meisten AML-Erkrankungen entstehen, ohne dass eine direkte Verbindung zu speziellen Risikofaktoren hergestellt werden kann.

Was sind die Symptome einer AML?

Zu Beginn der Erkrankung treten häufig Symptome wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Nachtschweiß, Fieber, Gewichtsverlust oder Knochenschmerzen auf. Wegen der gestörten Blutbildung kommt es bei einer AML in der Folge zu

  • Anämie (Blutarmut), die sich in Blässe, Schwächegefühl, Müdigkeit, Herzrasen und Atemnot äußern kann
  • erhöhter Blutungsneigung in Form z. B. von Nasen- und Zahnfleischbluten, Blutergüssen
  • erhöhter Infektanfälligkeit u. a. im Bereich der Haut, Schleimhäute und Lunge sowie systemischen Infektionen

Wie wird eine AML diagnostiziert?

Die Diagnose der akuten myeloischen Leukämie ist ein Prozess, der verschiedene Verfahren einschließt. Idealerweise sollten zur Diagnose und Klassifikation einer AML folgende Untersuchungsmethoden durchgeführt werden:

  • Blutuntersuchungen – hierbei werden im Großen Blutbild u. a. die Anzahl, Zusammensetzung und Entwicklungsstadien der Blutzellen betrachtet. Eine eindeutige Diagnose ist jedoch erst nach weiteren Untersuchungen möglich.
  • Knochenmarkpunktion – hierbei werden Zellen aus dem Knochenmark entnommen und deren Beschaffenheit eingehend unter dem Mikroskop auf typische Veränderungen untersucht, insbesondere der Reifungsgrad der Zellen und der Anteil an Vorläuferzellen (Blastenanteil).
  • Zusätzlich wird das Erbmaterial (Chromosomen) der entarteten Zellen untersucht (zytogenetische Untersuchungen). Spezielle Chromosomenveränderungen erlauben bis zu einem gewissen Grad eine Voraussage über den Verlauf der Erkrankung (siehe Prognose).

Wenn eine AML festgestellt wird, sind je nach Einzelfall zusätzliche Untersuchungen erforderlich, um den Befall anderer Organe des Körpers mit Blasten ausschließen zu können.

Wie verläuft eine AML?

Der Verlauf der Erkrankung (Prognose) sowie die Behandlungsmöglichkeiten hängen stark davon ab, um welchen Typ der AML es sich handelt. Dazu werden die bei den Blut- und Knochenmarkuntersuchungen gefundenen Charakteristika der entarteten Blutzellen gemäß der WHO- oder French-American-British (FAB)-Klassifikation eingeteilt. Die aktuell verwendete Klassifikation der WHO, in der insbesondere die aus zytogenetischen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse berücksichtigt werden, stellt eine Erweiterung der älteren FAB-Klassifikation dar, denn sie ermöglicht eine genauere Einteilung der AML in verschiedene Subgruppen.

Wie wird die AML behandelt?

Die Therapie der AML stützt sich je nach krankheits- und patientenspezifischen Faktoren auf den Einsatz von intensiven Chemotherapien, nicht-intensiven Therapien sowie begleitender Therapiemaßnahmen (z. B. Gabe von Antibiotika bei bakteriellen Infektionen). In manchen Fällen kommt eine Transplantation mit Zellen eines Spenders (allogen) oder mit eigenen, vor der Transplantation entnommenen Blutstammzellen (autolog), in Betracht. Das letztere wird in der Regel bei Patienten mit gutem Allgemeinzustand und bestimmten Erkrankungsmerkmalen erwogen. Epigenetische Therapien, die Einfluss auf die Erbgutregulation kranker Zellen nehmen, bieten seit einigen Jahren eine Behandlungsmöglichkeit für Patienten, die wegen ihres Alters, Allgemeinzustandes und eventuell bestehender Vorerkrankungen nicht für eine intensive Chemotherapie oder Stammzelltransplantation in Frage kommen. Die Behandlung einer AML erfolgt in ausgewiesenen Kliniken, die auf hämato-onkologische Erkrankungen spezialisiert sind. Sie verfügen über Isolierstationen, die Keimfreiheit ermöglichen, um das Risiko einer Infektion zu minimieren. Die Heilungschancen hängen von krankheitsspezifischen Faktoren, aber auch von anderen individuellen Faktoren der Patienten ab. Mittlerweile besteht zumindest für einige Betroffene die Möglichkeit einer Heilung. Vielen anderen Patienten bringen die Therapien eine Lebensverlängerung und / oder eine Verbesserung der Lebensqualität. Die AML verläuft von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Daher ist das persönliche Gespräch mit dem behandelnden Facharzt für Hämatologie und Onkologie wichtig, um unter Berücksichtigung des Patienten-individuellen Gesundheitszustandes die optimale Therapie zu finden.

Weblinks & Literatur:

  • Patienteninformationen über die Akute Myeloische Leukämie zum Bestellen und Herunterladen erhalten Sie bei service.celgene.de.
  • Die akute myeloische Leukämie (AML) – Eine Informationsbroschüre für Patienten und deren Angehörige. 2012. Dr. Stefanie Hornung und Prof. Dr. med. Simone Böhrer.
  • Aufbereitung des Vortrags „Akute Myeloische Leukämie“ auf dem DLH-Kongress, 18./19.6. 2011 (DLH-INFO 46 III/2011)
  • Akute myeloische Leukämie (AML) – Kurzinformation. Kompetenznetz Pädiatrische Onkologie und Hämatologie, 2014. Dipl. Biol. Maria Yiallouros und Prof. Dr. med. Ursula Creutzig.
  • Die Akute Myeloische Leukämie (AML) des Erwachsenen – Wissenswerte Informationen rund um die AML für Patienten und Angehörige. Kompetenznetz Leukämien, Ausgabe 1/2010. Dr. med. C. H. Brandts, Dr. med. A. Kim, Prof. Dr. med. H. Serve.