Entzündung im Darm – Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

19.06.2017   |   10:59 CET

Bei Bauchschmerzen und Durchfällen gehen viele Menschen zunächst davon aus, dass sie bestimmte Lebensmittel nicht vertragen oder dass sie unter einer empfindlichen Verdauung leiden. Treten diese Symptome jedoch über längere Zeit auf oder gehen sie mit ausgeprägten Beschwerden einher, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen – auch wenn das Thema schambehaftet sein kann. Eine ärztliche Abklärung ist wichtig, denn es kann eine ernstzunehmende Ursache wie eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung dahinter stecken, die in der Regel in Schüben auftritt und sich meist im jungen Erwachsenenalter erstmals bemerkbar macht.1

Die häufigsten und bekanntesten Vertreter der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, wobei letztere etwas häufiger vorkommt. In Deutschland leiden an diesen Erkrankungen, die für die Betroffenen einen hohen Leidensdruck bedeuten, bereits mehr als 300.000 Menschen – Tendenz steigend.2

Gestörte Barrierefunktion mit unbekannter Ursache

Beiden Krankheiten liegt eine chronische Entzündung im Verdauungstrakt zugrunde.2 Hierbei ist einerseits das empfindliche Gleichgewicht der Darmbakterien gestört, wodurch sich schädliche Erreger verstärkt vermehren und den Darm belasten. Andererseits ist die Darmschleimhaut, die sonst durch eine Schleimschicht vor Bakterien geschützt ist, durch den direkten Kontakt mit Darmbakterien dauerhaft gereizt. Daher wird auch von einer gestörten Barrierefunktion zwischen Darmschleimhaut und Darminhalt gesprochen. Die Ursachen hierfür sind nicht abschließend geklärt.2

Zwischen den Erkrankungen bestehen gewisse Unterschiede: Bei Morbus Crohn kann der gesamte Verdauungstrakt, von Mund bis After, von der Entzündung betroffen sein, wobei es jedoch selten zu Blutungen kommt. Eine Colitis ulcerosa hingegen betrifft meist nur den Dickdarm, wobei die durchgängige Entzündung häufig zu Blutungen führt. Blutiger Durchfall ist daher ein entscheidendes Merkmal, das eine Colitis ulcerosa von einem Morbus Crohn abgrenzt.2

Aufgrund der unspezifischen Hauptsymptome Bauchschmerzen und Durchfall können die Erkrankungen zunächst als Reizdarmsyndrom fehlgedeutet und häufig erst verzögert diagnostiziert werden.3 Ein Reizdarmsyndrom kann sich zwar ähnlich äußern, wird jedoch nicht durch eine Entzündung hervorgerufen. Dem Facharzt stehen verschiedene klinische Untersuchungsmethoden zur Verfügung, um festzustellen, um welches Krankheitsbild es sich handelt. Daher empfiehlt sich bei anhaltenden Symptomen der Gang zu einem Gastroenterologen.

Therapieziele: Schübe stoppen und verhindern

Eine frühzeitige Behandlung der Erkrankung ist wichtig, denn aufgrund der ständigen Durchfälle können Betroffene ihre Nahrung oftmals nicht optimal verwerten. Hierdurch kann es zu Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen kommen, was wiederum zu Abgeschlagenheit führt. Durch den Blutverlust bei Colitis ulcerosa ist außerdem eine Anämie, also eine Blutarmut, möglich. Bei einem akuten Schub wird daher versucht, die aufgeflammte Entzündung einzudämmen, um Symptome wie Durchfälle sowie die Beschwerden während dieser Zeit bestmöglich zu lindern.

Um dauerhafte Gewebeschäden, Folgeerkrankungen und das Auftreten weiterer Schübe zu verhindern, sollte eine Behandlung auch dann erfolgen, wenn Betroffene nicht an einem akuten Schub leiden. Denn um die Erkrankung im Griff zu haben braucht es eine langfristige Behandlung, bei der sich Ärzte und Patienten eng abstimmen. Wichtig ist hierbei, dass Betroffene sich – auch in guten Zeiten – konsequent an ihre Therapie halten.

Eine Heilung der Erkrankungen ist bislang nicht möglich. Mit modernen Therapien, die am Kern der Erkrankung – der zugrundeliegenden Entzündung – ansetzen, kann in einigen Fällen jedoch ein Stillstand der Erkrankung (Remission) erreicht werden. Um die Situation der Betroffenen zu verbessern, wird intensiv an der Forschung und Entwicklung von innovativen Medikamenten gearbeitet. Auch Celgene betreibt mehrere Prüfprogramme mit modernen Wirkstoffen in unterschiedlichen Phasen der klinischen Entwicklung.

Was können Betroffene selbst tun?

Neben einer medikamentösen Behandlung kann zusätzlich auch eine Anpassung der Ernährung Linderung bringen. Hierzu gibt es von vielen Stellen, beispielsweise von Patientenorganisationen, umfangreiches Informationsmaterial. Grundsätzlich gilt jedoch: Nichts ist verboten! Erlaubt ist, was gut tut. Ausprobieren und auf den eigenen Körper hören ist die häufigste Empfehlung.

Auch in weiteren Bereichen bieten Patientenorganisationen und Fachgesellschaften wichtige Unterstützung. Informationen zur Erkrankung und der Austausch mit anderen Betroffenen können hilfreich sein, um das Leben mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa bestmöglich zu meistern. Zudem weisen diese Vereinigungen auf relevante Themen hin. So steht zum Beispiel der diesjährige Aktionstag der Gastro Liga anlässlich des Welt-CED-Tages (World Inflammatory Bowel Disease Day) am 19. Mai 2017 unter dem Thema Therapietreue.

Weiterführende Informationen:
Internetseite der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung:
https://www.dccv.de/

Arztfinder und Informationsseite für Patienten des Kompetenznetzes CED:
http://www.kompetenznetz-ced.de/arztsuche.html

Ratgeber der Gastro Liga e. V. zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen:
Morbus Crohn: https://www.gastro-liga.de/fileadmin/download/Morbus_Crohn_145-04-16.pdf
Colitis ulcerosa: https://www.gastro-liga.de/fileadmin/download/Colitis_ulcerosa_131-02-16.pdf

Referenzen
1. Baumgart DC, Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 123–33.
2. Wehkamp J, Dtsch Arztebl Int 2016;113:72–82.
3. Andresen V, Dtsch Arztebl Int 2011;108:751–60.

Bild: Intestine lining and villi , Food digestion and absorption (Fotolia – Urheber: nobeastsofierce)