Rechtliche Unterstützung: chronisch krank am Arbeitsplatz

23.10.2017   |   08:59 CET

Die Erwerbsstätigkeit kann neben finanzieller Unabhängigkeit auch Bestätigung, zusätzlichen Lebensinhalt, soziale Kontakte und ein gestärktes Selbstbewusstsein mit sich bringen – und natürlich Spaß. Dem stehen chronische Erkrankungen nicht zwangsläufig im Weg, auch wenn beispielsweise rheumatische Krankheitsbilder die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen können.

Es gibt verschiedene Maßnahmen und Angebote, die dabei helfen, die Arbeitsfähigkeit langfristig zu erhalten. Oft können schon kleinere Anpassungen viel bewirken: Bei Gelenkbeschwerden kann ein Wechsel der Arbeitsposition zwischen Stehen, Sitzen und Gehen die Symptome lindern. Hierbei können entsprechende Büromöbel wie höhenverstellbare Schreibtische und ergonomische Stühle helfen. Bei stärkeren Einschränkungen gibt es zudem Unterstützungsprogramme und gesetzliche Regelungen. Zu diesen Punkten können Sie sich von Experten beraten lassen – im Rahmen des Reha-Beratungsdienstes der Deutschen Rentenversicherung stehen Reha-Berater auch in Ihrer Nähe zur Verfügung.

Unterstützung ist im Arbeits- und Sozialrecht verankert

Menschen, die von körperlichen Einschränkungen betroffen sind, können bestimmte Nachteilsausgleiche nutzen. Diese stehen nicht nur Menschen mit schwerer und sichtbarer Behinderung zur Verfügung, die z. B. auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Auch im Vergleich leichtere körperliche Einschränkungen können bereits einen Anspruch rechtfertigen, was den Betroffenen häufig gar nicht bewusst ist. Dafür muss zunächst ein entsprechender Antrag gestellt werden. Zuständiger Ansprechpartner ist das Versorgungsamt der jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Auf dieser Basis wird der Grad der Behinderung (GdB) eingeschätzt, der sich nicht an der Art der Erkrankung oder Behinderung und deren Ursache orientiert, sondern allgemein am bestehenden Funktionsdefizit und dessen körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Auswirkungen, beispielsweise auf die Erwerbsfähigkeit und die Teilnahme am Leben in der Gesellschaft. Schreitet die Erkrankung fort, können Betroffene einen Verschlimmerungsantrag stellen, auf dessen Basis der GdB neu beurteilt und ggf. angepasst wird.

Rechtliche Vorteile entlasten im Berufsalltag

Je nach Grad der Behinderung können Betroffene verschiedene Nachteilsausgleiche in Anspruch nehmen, wie zum Beispiel Kündigungsschutz, Steuerfreibeträge oder Zusatzurlaub. Außerdem besteht bereits bei der niedrigsten GdB-Stufe von 20 der Anspruch auf unterschiedliche Rehamaßnahmen und ergänzende Leistungen, die Betroffene in vielen Fällen die Lage versetzen, ihren Beruf beizubehalten.

Nach Krankheit zurück in den Beruf

Auch eine längere krankheitsbedingte Abwesenheit muss nicht automatisch eine Frühberentung bedeuten. Oftmals ist mithilfe von Wiedereingliederungsmaßnahmen eine Wiederaufnahme des Berufs möglich. Manchmal ist es jedoch unumgänglich, den Beruf zu wechseln. Auch hierzu stehen Beratungs- und Unterstützungsmaßnahmen zur Verfügung. Anlaufstelle ist hier vor allem die Deutsche Rentenversicherung.

Von welchen Angeboten Betroffene Gebrauch machen, hängt schlussendlich auch von persönlichen Zielen und Wünschen ab. Mit der richtigen Unterstützung muss eine chronische Erkrankung einer langjährigen und erfüllenden beruflichen Zukunft nicht im Weg stehen.

Weiterführende Informationen:

Informationen zu GdB des Sozialverbandes VdK
https://www.vdk.de/deutschland/pages/themen/teilhabe_und_behinderung/9216/grad_der_behinderung_gdb

Umfangreiche Informationen zum Thema Krankheit und Soziales:
http://www.betanet.de/betanet

 

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