Begleitmaßnahmen bei Chemotherapie

Wie können Nebenwirkungen gelindert werden?

09.05.2016   |   09:18 CEST

Eine Chemotherapie kann dazu beitragen, Leben zu retten oder zu verlängern. Meist geht sie jedoch mit starken Nebenwirkungen einher. Es gibt jedoch Möglichkeiten, um diesen unerwünschten Wirkungen bestmöglich vorzubeugen oder sie zu lindern.

Chemotherapeutika wirken im Körper auf Zellen, die sich schnell vermehren – wie eben Krebszellen. Allerdings reagieren sie genauso auf gesundes Gewebe, dessen Zellen sich häufig teilen, was dann unter anderem die Haarfollikel betrifft. In der Folge kommt es zum mit der Chemotherapie oft assoziierten Haarausfall.1

Viele Betroffene klagen während einer Chemotherapie über Müdigkeit und Erschöpfung. Dieses sogenannte Fatigue-Syndrom kann in manchen Fällen chronisch werden. Für Fatigue gibt es unterschiedliche Ursachen. Einer der häufigsten ist Blutarmut (Anämie). Sie entsteht dadurch, dass die sich schnell teilenden Zellen des Knochenmarks durch die Chemotherapie angegriffen werden und in der Folge die Blutbildung gestört ist. Eine Anämie lässt sich durch Bluttransfusionen beheben. Aber auch wenn eine Anämie ausgeschlossen oder bereits behandelt wurde, bleiben Müdigkeit und Erschöpfung oft weiterhin bestehen.

Neben der Einnahme von Medikamenten, die gegen die Müdigkeit helfen, können Patienten auch selbst dazu beitragen, dass sich ihr Zustand bessert. Viele Betroffene sind erschöpft und haben ständig das Gefühl, sich schonen und ausruhen zu müssen, um Kräfte zu sparen. Das ist aber ein Trugschluss: Ärzte sind sich einig, dass Krebspatienten in fast jeder Krankheitssituation davon profitieren, körperlich aktiv zu sein oder sich sportlich zu betätigen. So können sie zum einen die Muskelmasse und Ausdauer, die sie während der Behandlung verloren haben, wieder aufbauen. Wissenschaftliche Studien haben zum anderen ergeben, dass regelmäßiger Ausdauersport Nebenwirkungen wie Übelkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Depression deutlich verringern kann.2 Hierzu sollten Betroffene sich vorab mit ihrem Arzt besprechen – er kann Tipps geben, welche Sportarten sich in der individuellen Situation gut eignen.

Eine weitere häufige Begleiterscheinung der Chemotherapie ist Übelkeit. Der Grund: Die Therapie greift auch die sich ständig erneuernden Darmzellen an, welche im geschädigten Zustand Serotonin freisetzen – einen Botenstoff, der das Brechzentrum aktiviert. Daher kommt es in einigen Fällen zu Übelkeit und Erbrechen.3 Dem kann mit sogenannten Anti-Emetika entgegengewirkt werden. Diese Mittel gegen Übelkeit und Brechreiz sind häufig begleitender Bestandteil einer Chemotherapie. Manchmal ist jedoch nicht nur die direkte Wirkung der Chemotherapie im Körper der Auslöser für ein Unwohlsein – auch Stress und Angst vor der Behandlung können Übelkeit begünstigen. In solchen Fällen können – in Absprache mit dem behandelnden Arzt – angstlösende Medikamente Erleichterung bringen. Aber auch nicht-medikamentöse Ansätze, wie bestimmte Entspannungstechniken und psychologische Unterstützung, können Angstgefühle reduzieren.4

Übelkeit kann darüber hinaus auch zur Appetitlosigkeit führen. Für Patienten ist eine gute und ausgewogene Ernährung von entscheidender Bedeutung. Es gibt keine spezielle Ernährungsempfehlung für Patienten, die eine Chemotherapie erhalten – sie sollten essen, was ihnen bekommt und worauf sie Lust haben. Reichlich frisches Obst, Gemüse und leichte Nahrung liefern dabei wichtige Nährstoffe. Da einzelne große Mahlzeiten häufig eine Herausforderung darstellen und zu Völlegefühl und Verdauungsstörungen führen können, wird empfohlen, über den Tag verteilt mehrere kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Es ist zudem ratsam, mit dem behandelnden Arzt über die Ernährung zu sprechen – oft können auch speziell geschulte Ernährungsberater hinzugezogen werden, die Patienten wertvolle Tipps geben können.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema:

Infoblatt des Krebsinformationsdienstes zu Sport und Bewegung für Krebspatienten

Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft zum Thema Fatigue inkl. Tipps zur Bewältigung und Experteninterview

Informationen des Krebsinformationsdienstes zum Thema Übelkeit und Erbrechen

Informationen des Krebsinformationsdienstes zur Ernährung für Krebspatienten

Bild: Health Food (Fotolia – Urheber: freshidea)


1) http://www.onmeda.de/behandlung/chemotherapie_nebenwirkungen-uebelkeit-und-erbrechen-3885-2.html
2) https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/iblatt/iblatt-bewegung-bei-nach-krebs.pdf
3) http://www.onmeda.de/behandlung/chemotherapie_nebenwirkungen-uebelkeit-und-erbrechen-3885-2.html
4) https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/uebelkeit/uebelkeit-index.php