Bauchspeicheldrüsenkrebs: wie einen medizinischen Notfall behandeln!

26.04.2016   |   09:40 CET

Als Ali Stunt, Gründerin und Vorstandsvorsitzende von Pancreatic Cancer Action, einer Patientengruppenvereinigung in Großbritannien (www.pancreaticcanceraction.org), die verheerende Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs erhielt, war sie zunächst überrascht und schockiert zugleich. Damals war sie deutlich jünger als 60 Jahre, rauchte nicht und hatte keinerlei erbliche Veranlagung für Bauchspeicheldrüsenkrebs. Kurzum: Sie wies keine der üblichen Risikofaktoren auf. Dennoch erkrankte sie an einer der tödlichsten Erkrankungen überhaupt: Die Mehrzahl der Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs stirbt innerhalb von acht Monaten nach der Diagnose oder sogar innerhalb von drei Monaten, wenn sich bereits Metastasen gebildet haben, also wenn der Tumor bereits gestreut hat.1

Ali Stunt verdankt ihr Überleben einer frühen Diagnose. „Zunächst wurde mein Fall nicht als dringend eingestuft, da niemand an Krebs dachte. Ich wusste aber, dass irgendetwas nicht stimmte, daher blieb ich hartnäckig. So hatte ich das Glück, dass ich noch rechtzeitig für eine Operation diagnostiziert wurde.“ Nur weniger als 20 Prozent der Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs haben eine heilbare Form der Erkrankung.2 Bei den meisten erfolgt die Diagnose zu spät, also wenn sich der Krebs bereits auf andere Organe ausgebreitet hat.

„Patienten mit Verdacht auf Pankreaskrebs sollten als medizinischer Notfall und somit so schnell wie möglich behandelt werden, um die Zeit bis zur Diagnose und Behandlung möglichst kurz zu halten“, sagt J. Matthias Löhr, Professor für Gastroenterologie und Hepatologie am schwedischen Karolinska-Institut. „Dies sollte in ganz Europa zum Standard werden.“

Besonders Forschungsgelder für die Entwicklung neuer und schneller Diagnoseansätze sind wichtig. Zusätzlich kann eine bessere Genomforschung zum Durchbruch bei der Suche nach neuen zielgerichteten Therapien führen. „Die Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs wird immer personalisierter. Alles, was wir über die Tumorbiologie erfahren, zeigt uns neue mögliche Ansatzpunkte und Wege auf, die Krankheit zu bekämpfen“, erklärt Löhr.

Um die Forschung voranzutreiben, eine frühere Diagnose zu fördern, eine bessere Behandlung zu ermöglichen sowie für Aufklärung in breiten Teilen der Bevölkerung zu sorgen, starteten nach dem weltweit ersten Welt-Pankreaskrebstag am 13. November 2014 mehrere wichtige europäische Initiativen. Die Mitglieder des Europäischen Parlaments richteten einen „Call to Action“ an die Mitgliedsstaaten und Institutionen und eine europäische Arbeitsgruppe zum Austausch zwischen Patientenvertretern, medizinischem Fachpersonal, Forschung, Politik und Industrie wurde ins Leben gerufen.*

Ali Stunt, die an der ersten Sitzung der Plattform als Sprecherin für britische Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs und deren Angehörige teilnahm, blickt positiv in die Zukunft: „Alle stimmen darin überein, dass Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs in ganz Europa vernachlässigt wurden und die Bekämpfung der Krankheit jahrzehntelang unterfinanziert wurde. Gerade setzen wir alles daran, einen Wandel zu ermöglichen, indem wir das Bewusstsein für die Krankheit erhöhen und unsere Interessenvertretung stärken.“

Bis heute gibt es nur wenige Medikamente zur Behandlung dieser schwerwiegenden Krebsart. Celgene ist eines der wenigen Pharmaunternehmen, das auf dem Gebiet der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs forscht.

* Celgene ist Sponsor der Arbeitsgruppe und Mitglied des Komitees.

Bild: pancreas (Fotolia – Urheber: Sebastian Kaulitzki)

1) Mukherjee S, et al. Clin Oncol (R Coll Radiol). 2008;20(7):535–40.
2) Hidalgo M. N Engl J Med. 2010;362(17):1605–17.