Aufmerksamkeit für die Volkskrankheit Brustkrebs

24.10.2016   |   10:48 CEST

Am 1. Oktober ist Welt-Brustkrebs-Tag. Der Aktionstag bildet den Auftakt für einen ganzen Monat, der weltweit im Zeichen der rosa Schleife steht – dem internationalen Symbol für die Solidarität mit Menschen, die von Brustkrebs betroffen sind. Jahr für Jahr finden im Oktober überall auf der Welt Aktionen statt, die das Bewusstsein für Brustkrebs schärfen und Möglichkeiten der Vorsorge aufzeigen möchten. Diese Aktionen haben aber auch ein weiteres Ziel: Betroffenen Frauen Mut machen. Eine der großen Kampagnen ist der Wohltätigkeitslauf Race for Survival der Aktion Pink (ehemals Susan G. Komen Deutschland e. V.). Aber auch kleinere regionale Gruppen organisieren Informationsveranstaltungen und Spendenläufe, um deutlich zu machen, wie wichtig das Thema ist. Aus gutem Grund: Jährlich erhalten allein in Deutschland ca. 70.000 Frauen die Diagnose Brustkrebs.1 Um Brustkrebs so gut wie möglich unter Kontrolle zu bekommen und vielleicht sogar zu heilen, ist es wichtig, die Erkrankung so früh wie möglich zu erkennen.2 Aus diesem Grund steht auch die breite Aufklärung zur Krebsfrüherkennung im Fokus des Welt-Brustkrebs-Tages – für Frauen jeden Alters, denn Brustkrebs kann auch bereits in einem vergleichsweise niedrigen Lebensalter auftreten.1

In puncto Behandlungsmöglichkeiten hat sich in den letzten Jahren viel getan. Da die Ursachen von Brustkrebs stetig besser verstanden werden, können Patientinnen entsprechend ihres individuellen Risikoprofils behandelt werden, sodass die Chancen auf eine Heilung oder zumindest auf eine Verlangsamung der Erkrankung ansteigen.3,4 Diese Entwicklung hat – gemeinsam mit Programmen zur Früherkennung – dazu geführt, dass heute fast 80 Prozent aller Frauen auch zehn Jahre nach der Diagnose Brustkrebs entweder mit ihrer Erkrankung leben oder als geheilt gelten.1

Welche Arten von Krebs gibt es?
Als Tumor, auch bösartige Geschwulst genannt, werden Ansammlungen von Zellen bezeichnet, die sich unkontrolliert vermehren. Im Bereich der Brust können diese bei der Selbstuntersuchung oder durch einen Arzt – abhängig von ihrer Größe und Position – zum Teil ertastet werden.2,5 Krebszellen ähneln dem sie umgebenden Gewebe, aus dem sie hervorgegangen sind, kaum noch und können an anderen Körperstellen bzw. Organen Tochtergeschwülste bilden, sogenannte Metastasen.5
Die Wahl der Therapie orientiert sich an der Größe, der Ausbreitung und den Eigenschaften der Tumorzellen. Hierzu wird z. B. untersucht, aus welchem Gewebe der Tumor entstanden ist, beispielsweise aus den Milchgängen oder den Drüsen der Brust. Ferner ist relevant, ob der Krebs auf körpereigene Stoffe wie zum Beispiel Geschlechtshormone, wie Östrogen oder Progesteron, reagiert und inwiefern genau sich die Tumorzellen von den umliegenden gesunden Zellen unterscheiden.5

Wie wird Brustkrebs behandelt?
Je früher der Krebs erkannt wird, desto besser sind in der Regel die Erfolgsaussichten einer Therapie.5 Die Behandlung erfolgt in einem frühen Stadium meist lokal, also mittels einer örtlich begrenzten Therapie. Dabei wird häufig zunächst das Tumorgewebe möglichst vollständig herausoperiert. Das bedeutet heute nicht mehr, dass die komplette Brust entfernt werden muss: Durch die frühe Erkennung der Tumoren einerseits und die Weiterentwicklung der Operationsverfahren andererseits kann oftmals ein brusterhaltender Eingriff durchgeführt werden.5

Mögliche weiterführende Behandlungen (adjuvante Therapien) nach der Operation dienen dazu, das Rückfallrisiko weiter zu senken.6 In manchen Fällen erhalten Patientinnen zudem bereits vor der Operation sogenannte neoadjuvante Therapien. Sie zielen darauf ab, den Tumor vor der Operation zu schrumpfen, so dass er besser entfernt werden kann.5 Adjuvante und neoadjuvante Behandlungen sind meist systemische Therapien, die im gesamten Körper wirksam sind und daher Krebszellen und Metastasen überall im Körper erreicht werden können.5,6 Diese Verfahren werden zum Teil mit einer lokalen Behandlung, der Bestrahlung der Brust, kombiniert.5 Ist eine Krebserkrankung bereits weit fortgeschritten und nicht mehr heilbar, weil sich bereits Metastasen in anderen Geweben gebildet haben, kann eine sogenannte palliative Therapie zum Einsatz kommen. Sie dient dazu, Leiden zu lindern, die Lebensqualität so gut wie möglich zu erhalten sowie das Leben bestmöglich zu verlängern.4

Medikamentöse Therapie bei Brustkrebs
Durch intensive Forschung auf dem Gebiet der Krebstherapie gibt es mittlerweile eine Vielzahl von systemischen Behandlungen, denen verschiedene Wirkmechanismen zugrunde liegen und die meist in Kombination angewendet werden.4 Unterschieden wird in:

  • Chemotherapien
  • Anti-Hormon-Therapien
  • Zielgerichtete Therapien

Bei einer Chemotherapie werden sogenannte Zytostatika eingesetzt, die auf schnell wachsende Gewebe wie Krebszellen wirken, indem sie Zellen an der Teilung hindern und zerstören. Da Krebszellen sich besonders häufig teilen, wirken Zytostatika vor allem auf bösartige Tumoren. Aber auch andere sich schnell teilende Zelltypen, zum Beispiel in den Haarwurzeln oder in den Schleimhäuten, können betroffen sein. Hierdurch kann es zu typischen Nebenwirkungen wie Haarausfall oder Durchfall kommen.4

Eine Anti-Hormontherapie zielt darauf ab, Tumoren, die abhängig von körpereigenen Hormonen wachsen, in ihrer Ausbreitung zu hindern. Dabei wird die Bildung von Östrogen oder Progesteron im Körper unterbunden oder es wird verhindert, dass diese beiden Hormone an Krebszellen binden und so ihr Wachstumssignal an die Zellen geben können.4,5

Zielgerichtete Therapien erkennen bestimmte Zielstrukturen im Körper, die die Krebszellen bei ihrer Vermehrung unterstützen, und blockieren diese.3,4 Zudem wurden in den letzten Jahren sogenannte Immuntherapien entwickelt, die das Immunsystem auf verschiedene Arten dabei unterstützen, den Krebs zu bekämpfen.4

Ergänzende Angebote
Um Patienten optimal zu betreuen, wird die Krebstherapie mit weiteren Behandlungen wie z. B. einer Schmerztherapie oder einer Behandlung der Nebenwirkungen der Therapie abgerundet.4 Darüber hinaus gibt es Angebote, die im Umgang mit der Erkrankung helfen, wie beispielsweise eine psychoonkologische Betreuung.

Anlaufstellen für Unterstützung: Patientenorganisationen
Einen großen Beitrag zur Unterstützung von Patienten und ihren Angehörigen leisten Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen durch ihre umfangreichen Angebote – vor, während und nach der Therapie. Außerdem engagieren sich viele Gruppen in der Aufklärung und Vorsorge, wie z. B. mamazone e. V. Die Patientengruppen machen sich mit einer Vielzahl von Projekten für eine breite Aufklärung stark und fördern den Austausch zwischen Patienten, Angehörigen und medizinischem Personal.

Weiterführende Informationen zum Thema:
Website service.celgene.de: Hier können verschiedene Materialien speziell für Patientinnen mit Brustkrebs oder zum Umgang mit einer Krebserkrankung allgemein heruntergeladen bzw. bestellt werden.

Website des Brustkrebs Deutschland e. V. mit umfangreichem Informationsmaterial für Patienten:
www.brustkrebsdeutschland.de

Videoanleitung zum Abtasten der Brust: https://www.youtube.com/watch?v=b6XSXhvLtBc

Quellen

    1. Robert-Koch-Institut, Zentrum für Krebsregisterdaten. www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Brustkrebs/brustkrebs_node.html
    2. Früherkennung von Brustkrebs. Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Deutschen Krebshilfe e. V. 2010.
      www.leitlinienprogramm-onkologie.de/docs/OL_PLL_Brustkrebsfrüherkennung.pdf
    3. WHO World Cancer Report. International Agency for Research on Cancer. 2014. http://publications.iarc.fr/Non-Series-Publications/World-Cancer-Reports/World-Cancer-Report-2014
    4. Die fortgeschrittene Erkrankung, Rezidiv und Metastasierung. Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Deutschen Krebshilfe e. V. 2010. http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/Patientenleitlinie_Brustkrebs_2.pdf
    5. Die Ersterkrankung und DCIS. Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Deutschen Krebshilfe e. V. 2010. http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/Patientenleitlinie_Brustkrebs_1.pdf
    6. Gonzales-Angulo, AM et al. Adv Exp Med Biol. 2007;608:1-22

Bild: Female volunteers participating in breast cancer awareness (Fotolia – Urheber: WavebreakmediaMicro)