Anämie – wenn rote Blutzellen fehlen

20.03.2017   |   16:43 CET

Jeder, der schon einmal Blut gespendet hat, kennt es: Vor der eigentlichen Spende gibt es einen Pieks, bei dem ein Blutstropfen zur Untersuchung gewonnen wird. Dieses Blut wird einem kurzen Test unterzogen, bei dem vor allem ein Wert wichtig ist: Der sogenannte Hb-Wert. Hb steht für Hämoglobin – ein Eiweiß, das man auch als roten Blutfarbstoff kennt. Hämoglobin enthält Eisen, an das Sauerstoff gebunden und so durch den Körper transportiert wird.1 Ist der Hb-Wert zu niedrig, kann an diesem Tag kein Blut gespendet werden – ein Schutz für den Spender, denn in diesem Fall verfügt er möglicherweise nicht über die notwendigen Reserven, um den Blutverlust durch die Spende problemlos ausgleichen zu können, sprich: rasch ausreichend neue rote Blutzellen zu bilden.1

Anämie – was ist das?

Eine Anämie, auch Blutarmut genannt, liegt nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor, wenn der Hämoglobingehalt des Blutes eine bestimmte Menge unterschreitet. Dabei gelten für Männer und Frauen unterschiedliche Grenzwerte:2

  • Männer: 13 g/dl (= 130 g/l)
  • Frauen: 12 g/dl (= 120 g/l)

Eine leichte Anämie muss sich nicht in jedem Fall bemerkbar machen. Je weiter der Hämoglobin-Wert jedoch nach unten vom Richtwert abweicht, desto stärker können die Symptome sein. Betroffene verspüren dann zumeist eine ausgeprägte Müdigkeit und eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit.3, 4 Dies rührt daher, dass dem Körper weniger Sauerstoff zur Verfügung steht, als er benötigt. Auch Schwindel, ein schnellerer Herzschlag und Hautblässe können auf eine Anämie hinweisen.4

Was kann zu einer Anämie führen?

Die Ursachen einer Anämie können vergleichsweise harmlos sein – bei ca. vier von fünf Betroffenen liegt ein Eisenmangel vor.2 Jede fünfte Frau im gebärfähigen Alter weist eine Eisenmangelanämie auf, die häufig durch die Regelblutung bedingt ist. Weitere Risikogruppen sind Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche. Um einer solchen Mangelerscheinung vorzubeugen, sollte auf eine ausreichende Eisenzufuhr über die Nahrung geachtet werden. Viel Eisen ist z. B. in Fleisch enthalten – vor allem in Leber.2, 5 Aber auch Vegetarier finden eine große Auswahl an eisenreichen Lebensmitteln. Eine Übersicht wichtiger Eisenquellen gibt es hier.

Lässt sich die Anämie nicht durch einen nahrungsbedingten Eisenmangel erklären, können Verletzungen bzw. Blutungen im Verdauungstrakt, ausgelöst durch Geschwüre in Magen oder Darm, aber auch internistische Erkrankungen die Ursache sein, beispielsweise Blutbildungsstörungen des Knochenmarks.6 Aus diesem Grund sollte jede Anämie, insbesondere in Fällen, bei denen die Abweichung des Hb-Werts im nicht geringen Bereich liegt, ärztlich abgeklärt werden.

Wie wird eine Anämie behandelt?

Die Behandlung einer Anämie richtet sich nach der Ursache. Wie bereits beschrieben, kann eine nahrungsbedingte Eisenmangelanämie durch eine vermehrte Aufnahme des Spurenelements über die Nahrung ausgeglichen werden. Hierfür stehen auch Präparate aus der Apotheke oder der Drogerie zur Verfügung.

Da sich die Symptome von einer nahrungsbedingten Anämie nicht unterscheiden lassen, bleibt der Auslöser einer blutungsbedingten Anämie oft lange Zeit unbemerkt. Hier muss die Blutung als Ursache die identifiziert und gestillt werden.2 Wird die Anämie durch eine Erkrankung wie z. B. Blutkrebs verursacht, kann sie sich durch eine Therapie der Grunderkrankung verbessern. In einigen Fällen sind Betroffene jedoch auf Bluttransfusionen angewiesen.4 Ferner können sogenannte Wachstumsfaktoren zum Einsatz kommen, die die Bildung von roten Blutzellen fördern. Dies muss jedoch im Einzelfall mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.4

Referenzen

  1. Blutspendedienst des Bayrischen Roten Kreuzes. Abrufbar unter https://www.blutspendedienst.com/blutspende/haemoglobin/page/, letzter Zugriff: 07.02.2017
  2. DGHO-Onkopedia. Abrufbar unter https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/eisenmangel-und-eisenmangelanaemie/@@view/html/index.html, letzter Zugriff: 07.02.2017
  3. Krebsinformationsdienst. Abrufbar unter https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/chemotherapie-nebenwirkungen.php, letzter Zugriff: 07.02.2017
  4. MDS Patienten Interessen Gemeinschaft. Abrufbar unter http://mds-patienten-ig.org/mds/symptome/blutarmut, letzter Zugriff: 07.02.2017.
  5. Blutspendedienst des Bayrischen Roten Kreuzes. Abrufbar unter https://www.blutspendedienst.com/blutspende/ernaehrungstipps-fuer-blutspender/page/, letzter Zugriff: 07.02.2017
  6. De Benoist B, et al. Worldwide prevalence of anaemia 1993–2005 : WHO global database on anaemia. Abrufbar unter http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/43894/1/9789241596657_eng.pdf, letzter Zugriff: 13.02.2017

Bild: Flowing Erythrocyte Cells in a Artery (Fotolia – Urheber: Spectral-Design)